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Glagolica
Pohlin, Grammatika, Laybach
1768, Kyrilliza, [S. 197]
Pohlin, Grammatika, Laybach
1768, Glagolica, [S. 198]
Buchstaben (Ж,
Ъ,
Ь, Ч) mit protobulgarischen Runen
der Fels-Inschriften in der rumänischen Dobrudscha
überein. Warum Kyrill für einen Kulturraum, in dem
900 Jahre die lateinische Schrift verwendet wurde, eine
eigene Schrift erfindet oder nicht wenigstens seine ver-
traute griechische verwendet, ist unklar. Auch wenn
sich, linguistisch gesehen, die Buchstaben der G. bes-
ser für das Slawische eignen. Heute wird das damals
in Bulgarien aufgekommene, um einige Buchstaben aus
der G. erweiterte griechische Alfabet als Kirilica, »die
Schrift Kyrills«, bezeichnet. Es stammt aber in dieser
Form nicht von Kyrill. Die eigentliche Kirilica ist
die Glagolica Kyrills, die weder in Bulgarien noch
in der Ukraine oder in Russland Bedeutung erlangte.
In Pannonien wurden keine glagolitischen Inschriften
gefunden. Die G. wurde nach 885 »Nationalschrift«
der Kroaten in Istrien und im oberen dalmatinischen
Küstengebiet, wo sie einige Method-Schüler verbrei- teten. Daher auch das »nationale« Interesse Kroatiens
an seiner Rolle als Anfang des slawischen Schrifttums
(Jagić : vagina glagoliticarum). Die in Pannonien bei
Kocelj am Plattensee gemachte (882 beendete) Über-
setzung der Bibel ist zur Gänze in G. geschrieben. Die
Abschriften der Originale sind in ganz Südosteuropa
verstreut (Istrien/Dalmatien, Preslav, Ohrid, Rom,
Konstantinopel, sogar im ägyptischen Sinai-Kloster :
das Psalterium Sinaiticum und Euchologium Sinaiticum).
Von den »Salzburger« Karantanerslowenen wurde diese
Schrift nie verwendet.
Trotz → Miklosichs grundlegender Studie Die
christliche Terminologie der slawischen Sprachen (1875)
wird in der internationalen Slawistik seit seinem Schüler
und Nachfolger Jagić die Meinung propagiert, Kyrill
und Method seien als »Slawenapostel« die Schöpfer
der slawischen Schrift und Literatur. Daher auch die
strategisch »notwendige« Erfindung des »Großmähri-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55