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Gorazd, dux
Goldene Bulle, Übersetzung
Wolfgang Fritz
UNESCO Memory of the
World
der erhabenen Fürsten, nämlich des Königs von Böhmen,
des Pfalzgrafen bei Rhein, des Herzogs von Sachsen und
des Markgrafen von Brandenburg, die doch wahrscheinlich
als Kinder die deutsche Sprache auf natürliche Weise erlernt
haben, vom siebenten Jahre an in der lateinischen, italie-
nischen und slawischen [d. h. wohl tschechischen] Sprache
unterrichtet werden.
Die Neuhochdeutsche Übersetzung aus 1713 lau-
tet zwar : … in der (Teutschen /) Lateinischen / Welschen
/ und Wendischen Sprachen … gelehrt werden, bzw. das
lateinische Original : Italica ac Sclavica lingwis instru-
antur (wobei Mal Scalvica bzw. Wendisch mit slawisch
übersetzt).
Anzunehmen ist, dass unter Berücksichtigung der
Hervorhebung der Kenntnis der Sprache der Unter-
tanen in Böhmen »slavica« als Tschechisch, in Sach-
sen Sorbisch und in Brandenburg das örtliche slawi-
sche Idiom zu interpretieren waren. Zudem bestimmt
die Bulle, dass die Adressaten mit 14 Jahren in ihnen
ausgebildet sein sollen, zumal dies für dienlich sei und
für unentbehrlich gehalten [wird], weil diese Sprachen in
besonderem Maße im Heiligen Römischen Reiche benützt
und benötigt werden. Schließlich gibt die Bulle noch
modern anmutende pädagogische Anweisungen, die
der → Immersion entsprechen und empfiehlt mut-
tersprachliche Hauslehrer bzw. Konversationspartner
(… [die Söhne] in Gegenden schicken, wo sie jene Spra-
chen erlernen können, oder sie daheim sprachkundigen Er-
ziehern, Lehrern und gleichaltrigen Gefährten übergeben)
(→ Adelssprache, dort Maximilian I.; → Mutter-
sprache).
Für die Habsburger selbst, die in der G. B. nicht be-
rücksichtigt waren, reklamierte sich Rudolf IV. mit
einer Fälschungsurkunde, in das Privilegium Maius
1358/59 hinein, das Kaiser Friedrich III. schließlich
1453 reichsrechtlich anerkannte. Für die slowenischen
Länder kann also rein theoretisch in Analogie ange-
nommen werden, dass die Kenntnis des Slowenischen
für die Habsburger in ihrer Funktion als Landesfürsten
als verbindlich anzusehen war. Die Goldene Bulle be-
hielt ihre formale Gültigkeit bis 1806.
Die Goldene Bulle wurde 2013 in das UNESCO-
Verzeichnis des Weltdokumentenerbes aufgenommen.
Quellen/Web : Die Hoch-Teutsche Übersetzung der güldenen Bull
Kaysers Carl des Vierten. In : J. Ch. Lünig (Hg.) : Das Teutsche Reichs-
Archiv, Bd. 1. Leipzig 1713, 34–53 (neuhochdeutsche Übersetzung) ;
W. Altmann (Hg.) : Die alte Frankfurter Deutsche Uebersetzung der
Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. [Entstehungsdatum : 1356, frühneu-
hochdeutsche Übersetzung spätestens vor Mai 1365]. In : Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte/Germanistische Abteilung., Bd.
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des Max Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte (http://
dlib-zs.mpier.mpg.de/mj/kleioc/0010/exec/bigpage/%222085091_1
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en/communication-and-information/flagship-project-activities/
memory-of-the-world/homepage/, www.unesco.at/kommunika-
tion/memory.htm, www.unesco.at/kommunikation/basisdokumente/
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schungen 20 (1961) 68 ; F. Seibt : Karl IV. (Taufname Wenzel). In :
Neue Deutsche Biographie (NDB). Bd. 11. Berlin 1977, 188–191 (Di-
gitalisat) ; B.-U. Hergemöller : Fürsten, Herren, Städte zu Nürnberg
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A. Wolf : Goldene Bulle von 1356. In : Lexikon des Mittelalters. Bd.
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und deutsche Rechtsgeschichte. Wien [e. a.] 1992 ; H. Baltl, G. Kocher :
Österreichische Rechtsgeschichte : unter Einschluss sozial- und wirt-
schaftsgeschichtlicher Grundzüge ; von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Graz 112008 ; T. Olechowski : Rechtsgeschichte, Einführung in die his-
torischen Grundlagen des Rechts. Wien 2008 ; P. Simoniti : Humanis-
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Jahrhunderts. Wien 2008, 188 f.; W. Brauneder : Österreichische Ver-
fassungsgeschichte. Wien 112009 ; U. Hohensee, M. Lawo, M. Lindner
[e. a.] (Hg.) : Die Goldene Bulle. Politik – Wahrnehmung – Rezeption.
2 Bd. Berlin 2009.
Bojan-Ilija Schnabl
Gorazd, dux, →
Duces Carantanorum.
Goritschnig, Andreas aus dem Rosental/Rož, Verfas-
ser eines volksmedizinischen Büchleins Arcniske bukve
(1765), → Bukovništvo.
Goritschnig/Goričnik, → Flurnamen in St. Thomas
am Zeiselberg/Šenttomaž pri Celovcu und in der wei-
teren Umgebung ; → Vulgoname.
Gorizia (ital.), Gorica (slow.), Görz (dt.), Gurize
(friul.), Stadt am Übergang von der Soča/Isonzo zur
friulanischen Ebene. Die erste schriftliche Erwähnung
der Stadt findet sich in einer Urkunde vom 28. April
1001 als »villa quae Sclavorum lingua vocatur Goritia«.
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55