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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
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Page - 486 - in Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška - Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I

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486 Herberstein, Karl Johann von gie studierte. Allerdings konnte Valentin Einspieler Unstimmigkeiten in der gängigen Forschungsmeinung aufzeigen. Einspieler konnte nachweisen, dass H. in Salzburg Theologie studierte, wo er am 5. Dezem- ber 1735 in den Matrikeln erwähnt wird. Für ein Stu- dium bei den Benediktinern in Salzburg spricht neben zeitlichen Faktoren und genannter Erwähnung in den Matrikeln nicht zuletzt H.s theologischer Standpunkt, der sich mit einer jesuitischen Ausbildung kaum ver- einbaren lässt. Von 1769 bis 1772 war er Hilfsbischof ; von 1772 bis 1787 Bischof von →  Ljubljana. Er war Vertreter des österreichischen Reformkatholizismus in der Form des →  (Spät-)Jansenismus und Verfechter der josephinischen Staatsreform, des →  Josephinismus. In jansenistischem Geiste war H. dezidierter Förderer der slowenischen nationalen Wiedergeburt (→  pre- porod). H. erkannte die Bedeutung der Volkssprache für die Erneuerung der römisch-katholischen Kirche (→  Jansenismus) und des Staatswesens (Josephinis- mus). Folglich wurde H. zum großen Förderer der slowenischen Sprache und ihrer Verschriftlichung. Im Jahre 1773, also kurz nachdem er ordentlicher Bischof von Ljubljana geworden war, gab er seinem bischöfli- chen Sekretär Jurij →  Japelj (1744–1807) den Auftrag zu einer katholischen Übersetzung der Heiligen Schrift in slowenische Sprache. Die Übersetzung erschien in Heftform von 1784 bis 1802. Bis zu Japeljs Überset- zung war durch eine päpstliche Sondererlaubnis die protestantische Bibelübersetzung Jurij →  Dalmatins (erschienen 1584) in Gebrauch. Neben dem Auftrag zur Übersetzung der Heiligen Schrift regte Herber- stein Japelj u. a. zum Verfassen von Gesang- und Gebetsbüchern sowie des Großen Katechismus (1779) in slowenischer Sprache an. H.s durch den Spätjan- senismus geleitete Bemühungen um die slowenische Volkssprache knüpften an die literarische Tätigkeit der slowenischen Reformation an (→  Protestantismus) und sorgten so, wenn man von der Epoche der →  Ge- genreformation absieht, für die Kontinuität der slowe- nischen Schriftsprache (→  Standardsprache). Gerade wegen dieser Verflechtung des Spätjansenismus mit der slowenischen nationalen Wiedergeburt hielt sich der Spätjansenismus im slowenischen Gebiet länger als in anderen Teilen der Monarchie. Neben Japelj rief H. junge jansenistisch gesinnte Geistliche, wie Janez Pavel Stroj (1758–1807), Janez Krstnik Rode (1742–1818), Jernej Bastjančič (1754–1818), Jurij Gollmayer (1755–1822) und Janez Debevec (1758–1821), an den bischöflichen Hof. Sie hatten die Aufgabe, die Schriften der französischen Jansenisten aus dem Französischen ins Slowenische zu übersetzen. Die Übersetzungen dieser theologischen Texte stellten eine wahre Heraus- forderung dar, festigten aber die slowenische Schrift- sprache und nationale →  Identität. In Zusammenhang damit kam es zur Zusammenarbeit mit den Aufklärern (u. a.: Blaž Kumerdej) aus dem Kreis um Žiga →  Zois. Auch Anton Tomaž →  Linhart und Martin Kuralt arbeiteten, wenn auch nur kurzzeitig, an den Überset- zungen mit. Die ins Slowenische übersetzten Bücher wurden mehrmals nachgedruckt. Gollmayers Über- setzung Sveta maša ino krščansko premišljevanje za vsak dan iz svetega pisma [Die Hl. Messe und christliche Überlegungen aus der Hl. Schrift für jeden Tag] nach einem Werk von François-Philippe Mesenguy wurde insgesamt 18 Mal neu (verbessert) aufgelegt. Allgemein sorgte H. dafür, dass die Geistlichen eine gute Ausbildung in slowenischer Sprache erhielten. H.s Streben nach Erneuerung der Kirche kommt in seinen Hirtenbriefen, seinen Anleitungen für die Geistlichen im alljährlichen Gottesdienstkalender und in den Dekreten der bischöflichen Synoden zum Ausdruck. Deutlich josephinische Züge zeigt sein Hirtenbrief aus dem Jahre 1782, ein Jahr nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781, in welchem H. die Gläubigen zu religiöser Toleranz auffordert und dem Kaiser das Recht einräumt, in innerkirchliche Angelegenheiten einzugreifen. Dieser Hirtenbrief gilt als Höhepunkt der österreichischen Kirchenreform. Bei Joseph II. konnte H. eine sich an den politischen Landesgrenzen orien- tierende Neuordnung der Pfarr- und Diözesangren- zen erreichen. Joseph II. schlug H. als Erzbischof von Ljubljana vor. Als Gegenleistung für die Zustimmung zur Ernennung zum Erzbischof forderte der Vatikan H. auf, seine »Irrungen« zu widerrufen, was H. ablehnte. Die daraus resultierenden Spannungen zwischen dem Papst und dem Kaiser wurden erst nach H.s Tod bei- gelegt. Lit.: ÖBL ; SBL ; EJ ; ES ; OVSBL. – V. Einspieler : Johann Karl Graf von Herberstein, Bischof von Laibach. Sein Leben, Wirken und seine Stel- lung in der Geschichte des Josephinismus (Phil. Diss.). Wien, 1951 ; A. Slodnjak : Slovensko slovstvo. Ljubljana 1968 ; P. Hersche : Der aufge- klärte Reformkatholizismus in Österreich. Bern, Frankfurt/M. 1976 ; P. Hersche : Der Spätjansenismus in Österreich. Wien 1977 ; K. Sturm- Schnabl : Slovenski narodni preporod in njegovi neposredni odnosi s francoskim razsvetljenstvom in janzenizmom. In : ČZN 43 (1989) ; M. Lorenz : Der Jansenismus in der Habsburgermonarchie, (Dipl.-Arb.). Wien 2007. Reinhold Jannach
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Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Subtitle
Von den Anfängen bis 1942
Volume
1: A – I
Authors
Katja Sturm-Schnabl
Bojan-Ilija Schnabl
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2016
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79673-2
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
542
Categories
Geographie, Land und Leute
Kunst und Kultur

Table of contents

  1. Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
  2. Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
  3. Geleitwort von Johannes Koder 9
  4. Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
  5. Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
  6. Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
  7. Verzeichnis der Siglen 40
  8. Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
  9. Editoriale Hinweise 51
  10. Lemmata Band 1 A – I 55
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