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Immersion
gliedern J. Taušl, J. Orožen, Leskovšek, Otorepec
und Matija → Majar. Nach Ansicht Korošecs war
Majar der glühendste Anhänger der Illyrischen Be-
wegung. Dank seiner Bemühungen konnte auch der
Theologieprofessor Javornik 1847 für die Bewegung
gewonnen werden. Majar war der Meinung, dass
nicht eine einzelne Sprachform des Südslawischen zur
gemeinsamen Literatursprache werden könne, sondern
dass eine solche künstlich auf Basis der südslawischen
Dialekte geschaffen werden müsse. Im Jahr 1848 veröf-
fentlichte er zu diesem Thema sein Buch Pravila, kako
izobraževati ilirsko narečje i u obče slavenski jezik [Re-
geln, wie man die illyrische Sprachform bildet und die
slawische Sprache im Allgemeinen]. Die slowenischen
Anhänger der Illyrischen Bewegung mit Majar an der
Spitze erreichten, dass die slowenischen Literaten als
Alphabet die Gajica annahmen (→ Schrift). Die kroa-
tischen Vertreter der Illyrischen Bewegung nahmen das
Erscheinen slowenischer Bücher wohlwollend auf und
schätzten die Errungenschaften der slowenischen Li-
teratur positiv ein (→ Illyrische Provinzen, → preporod,
→
Revolutionsjahr 1848).
Lit.: I. Prijatelj : Borba za individualnost slovenskega književnega je-
zika v letih 1848–1857. Ljubljana 1937 ; F. Petré : Poizskus ilirizma
pri Slovencih. Ljubljana 1939 ; A. Barac : Hrvatska književnost od
Preporoda do stvaranja Jugoslavije. I. Književnost ilirizma. Zagreb
1954 ; I. I. Leščilovskaja : Ilirizm. Moskva 1968 ; Hrvatski narodni
preporod. 1790–1848. Zagreb 1985 ; P. Korunić : Jugoslavizam i fede-
ralizam u hrvatskom nacionalnom preporodu 1835–1875. Zagreb 1989 ;
M. Živančević : Ilirizam. In : Povijest hrvatske književnosti IV. Za-
greb 1975, 7–217 ; Z. Vince : Putevima hrvatskog književnog jezika.
Zagreb 1990 ; И. И. Лещиловская : Хорватия в XVII–XIX веках :
культурные аспекты исторического развития. Москва 2013.
Iskra Vasiljevna Čurkina ; Üb.: Nieves Čavić-Podgornik
Imkerei, →
Slovenski čebelar [Der slowenische Imker] ;
→
Volkskunst ; →
Janša, Anton.
Immersion, Lernmethode beim (Fremd-)Spracher-
werb, bei der Kinder oder Erwachsene in ein gänzlich
fremdsprachiges Umfeld »eintauchen«. Daher erleben
sie die zu erlernende Sprache in unterschiedlichsten
(Sprech-)Situationen und werden schrittweise, ohne
sich dessen gewahr zu werden oder dies als negativen,
von außen generierten Zwang zu empfinden, dazu ge-
führt, sie aktiv anzuwenden. Sie lernen gleichsam, weil
sie die Sprache sprechen »müssen«.
Da insbesondere (Klein-)Kinder die Welt, in die sie
hineinwachsen, über die persönliche Beziehungsebene zu den Sprachbezugspersonen kennenlernen, ist jeder
Lernprozess auch stark emotional besetzt. Sie lernen
also insbesondere die → Muttersprache wie auch jede
weitere Sprache durch Nachahmung der Sprache bzw.
des → Soziolektes der jeweiligen Bezugsperson ad
personam, situationsbezogen und schrittweise (→ Bil-
dungssprache). Das Lernen entspringt einem Bedürf-
nis nach Kommunikation und emotionaler Beziehung.
Es ist diese zutiefst affektive und unbewusste Motiva-
tion, die dem Lernprozess zugrunde liegt und ihn so
nachhaltig prägt. Das Kind erlernt also in der Regel
so viele Sprachen wie es Sprach-Bezugspersonen hat
(»one person, one language«). Allerdings kommt es zu
»Makkaronismen«, wenn Bezugspersonen im appella-
tiven Modus (dem Kind zugewandt, das Kind anspre-
chend) Sprachen wechselweise verwenden. Das heißt,
das Kind vermischt die Sprachsysteme auf lexikalischer
und grammatikalischer Ebene und kann dieses »Misch-
system« nur schwer überwinden. Es hat nicht die Fä-
higkeit der Abstraktion, um verschiedene semantische
Teile beim Hören des Sprachgemisches ein und dessel-
ben Sprechers verschiedenen Sprachen zuzuordnen. Es
wird Sprachen mischen bzw. eine → »Mischsprache«
sprechen, wenn die Bezugspersonen Sprachen mischen.
Im mehrsprachigen Milieu kann dies zur Kreolisierung
führen. Dort, wo die Sprachen jedoch gesellschaftlich
und rechtlich hierarchisiert sind, führt dies zur Ver-
drängung der nicht dominanten durch die dominante
Sprache (→ Assimilation, → Akkulturation).
Die I. macht sich das Kommunikations- und Be-
ziehungsbedürfnis beim Erlernen von Fremdsprachen
zunutze. Durch das faktische »Ausschalten« von an-
derssprachigen Kommunikationssituationen bleibt
dieser Person nur die zu erlernende Sprache zur Ab-
deckung des Kommunikationsbedürfnisses. Gleichzei-
tig werden dieser Person schrittweise die notwendigen
»Instrumente«, die Worte, die → Terminologie, die
Ausdrucksweise und die »Fachsprache« im weitesten
Sinn nähergebracht. Mögliche innere, unbewusste Wi-
derstände, die in der mangelnden Sprachkenntnis be-
gründet sind, werden dadurch ausgeschaltet, dass der
Person das subjektive Gefühl vermittelt wird, durchaus
in der Zielsprache kommunizieren zu können. Dies
ist im mehrsprachigen Umfeld umso relevanter, weil
– im Gegensatz zu einem einsprachigen Umfeld – die
funktionale Mehrsprachigkeit »automatisch« ein Ver-
gleichswert zur subjektiven Einschätzung der eigenen
Sprachkenntnisse bietet. Während eine einsprachige
Person eventuell gar nicht weiß, dass sie einen mini-
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 1: A – I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 1: A – I
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 542
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Geleitwort von Ana Blatnik, Präsidentin des Bundesrates (Juli – Dezember 2014) 7
- Spremna besede Ane Blatnik, predsednice državnega sveta (julij – december 2014) 8
- Geleitwort von Johannes Koder 9
- Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers 11
- Einleitung – slowenische Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška 15
- Alphabetische Liste der AutorenInnen/BeiträgerInnen im vorliegenden Band 38
- Verzeichnis der Siglen 40
- Verzeichnis der Abkürzungen und Benutzungshinweise 46
- Editoriale Hinweise 51
- Lemmata Band 1 A – I 55