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Witternitz/Veternica
dem slowenische Berichte der Sektionen und Proto-
kolle erstellt werden sollten. Er sorgte für eine vorbild-
liche Übersetzung der Görzer Gesetze ins Slowenische.
W. wirkte zunächst am Gericht in Gorizia/Gorica/
Görz, hatte danach verschiedene Funktionen im Küs-
tenland (Aktuar in Kanal ob Soči, Adjunkt in Sežana,
Bezirkshauptmann in Cormons [Krmin] und in Tol-
min sowie Stadtrat in → Trieste/Trst/Triest, wo er sich
bei Amtshandlungen mit den Umlandgemeinden der
slowenischen Sprache bediente). 1873 wurde er mit
Unterstützung der → Mladoslovenci [Jungslowenen] in
den Reichsrat gewählt und 1879 wiedergewählt. 1876
kam er an das Verwaltungsgericht in Wien. Nach dem
Antritt der Regierung Taaffe wurde er zum Landes-
präsidenten von Krain/Kranjska ernannt und hatte
diese Funktion vom 5. Mai 1880 bis zum 7. Oktober
1892 inne. Von den Beamten verlangte er, dass sie sich
nicht in die Politik einmischten, und von den Bezirks-
hauptmännern, dass sie mit den slowenischen Bürger-
meistern auf Slowenisch korrespondierten. Trotz der
Übermacht und Gegnerschaft der Deutschen im Krai-
ner Landtag und im Stadtrat von Ljubljana erwirkte er
einige wesentliche Personalrochaden, die den Slowenen
eine größere institutionelle Vertretung vor allem im
Schulwesen gewährleisteten. Einige explizit deutsch-
orientierte Beamte wurden versetzt : So wurde der
Landeshauptmann F. Kaltenegger 1881 nach Wien
versetzt, der Hauptmann von Litija J. F. Versteneck
nach Graz. 1884 wurde der Präsident des Landesge-
richtes A. Gertscher pensioniert.
1881 kam die Handels- und Gewerbekammer in slo-
wenische Hände, 1882 siegten die Slowenen in allen
drei Kurien in der Stadtgemeinde Ljubljana, die nach
14 Jahren wieder einen slowenischen Bürgermeister,
Peter Grasselli, bekam. 1883 erhielten die Slowenen
die Mehrheit im Krainer Landtag, Landeshauptmann
blieb der auf einer slowenischen Liste gewählte Graf
Thurn-Valsassina. Nach seinem Tod folgte ihm Jo-
sip Poklukar. Als es im liberalen Teil der Narodna
stranka [Volkspartei] zur Spaltung in »Elastiker« (elas-
tiki) und »Radikale« kam, festigte W. seine Position
und beruhigte die politischen Verhältnisse im Sinne der
Regierung. 1892 trat er vor allem wegen des politischen
Drucks der Deutschen in Krain/Kranjska zurück.
W. gelang es, das Slowenische als Unterrichtssprache
im Großteil der Fächer an der Lehrerbildungsanstalt
in Ljubljana einzuführen. Statt utraquistischer Schulen
wurden slowenische (und daneben auch rein deutsche)
Schulen eingerichtet. 1888 wurde die slowenische Ge- werbeschule gegründet, 1892 das eigenständige slowe-
nische Gymnasium.
Marušič, Kranjec und Melik folgend, war W.
der einzige identitätsbewusste Slowene im Amt des
Landespräsidenten in Krain/Kranjska (→ Landeschefs
und Landeshauptmänner von Krain/Kranjska).
Lit.: Wurzbach, SBL (S. Kranjec, V. Melik), ES (B. Marušič). – An-
drej baron Winkler, c. kr. Deželni predsednik kranjski. In : Novice, gos-
podarske, obrtniške in narodne. List 12, tečaj XLVIII, (Ljubljana, 19.
Marcija 1890), 1–2 ; T. Žigon : Deutschsprachige Presse in Slowenien
(1707–1945). 2. Teil : Deutschsprachige Presse in Krain von 1860 bis
1945. 3. Teil : Deutschsprachige Presse in der Untersteiermark, in Kärnten
in Görz und Triest. In : E. Grunewald (Red.) : Jahrbuch des Bundes-
instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa,
Band 13. München 2005, 127
f., insb. S. 128 und Anm. 28 ; J. Šušmelj :
Andrej baron Winkler : 1825–1916 : krminski in tolminski okrajni glavar,
poslanec v goriško-gradiškem deželnem zboru, poslanec v državnem zboru
na Dunaju, predsednik dežele Kranjske. Nova Gorica 2014.
Bojan-Ilija Schnabl
Wirtschafts- und Sozialgeschichte, vgl. Sachlem-
mata : → Aleksandrinke [Alexandrinerinnen] ; → Ge-
nossenschaftswesen ; → Binnenwanderungen ; → Emi-
gration ; → Šentjanž – Katoliško slovensko izobraževalno
društvo za Št. Janž in okolico [Katholischer sloweni-
scher Bildungsverein für St. Johann und Umgebung] ;
→ Frauen im ländlichen Raum ; → Völkermarkt/Ve-
likovec ; → Saualpe/Svinška planina (dort insb. auch
Krähwald/Hrebelja) ; → Villach/Beljak oder → Celje ;
→ Maribor ; → Slovenj Gradec ; Janez → Vospernik.
Wirtschaftsentwicklung und Sprache, vgl. Sach-
lemmata : → Binnenwanderungen ; → Celje ; → De-
zemberverfassung 1867 ; →
Emigration ; → Ge-
nossenschaftswesen ; → Maribor ; → Oktroyierte
Märzverfassung 1849 ; → Slovenj Gradec ; → Šentjanž
[St.
Johann] Kulturverein.
Wister, Resi und Marta, vulgo Hauptmann (Ottosch/
Otož), NS-Terroropfer, → Edinost Škofiče. Slovensko
prosvetno društvo »Edinost’ Škofiče [Slowenischer Kul-
turverein Edinost (Einheit) Schiefling].
Witternitz/Veternica, Ort bei Krastowitz/Hrasto-
vica im Schulsprengel der utraquistischen Volksschule
St.
Jakob an der Straße/Šentjakob pri Celovcu, nördlich
des Flughafens Klagenfurt/Celovec ; nunmehr Ortsteil
der Stadt. Befindet sich in keinem der hic loco edierten
Ortsverzeichnisse.
Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
Von den Anfängen bis 1942, Volume 3 : PO - Ž
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška
- Subtitle
- Von den Anfängen bis 1942
- Volume
- 3 : PO - Ž
- Authors
- Katja Sturm-Schnabl
- Bojan-Ilija Schnabl
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79673-2
- Size
- 24.0 x 28.0 cm
- Pages
- 566
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Kunst und Kultur
Table of contents
- Lemmata Band 3 Po–Ž 1049
- Verzeichnis aller AutorInnen/BeiträgerInnen und ihrer jeweiligen Lemmata 1571
- Verzeichnis aller ÜbersetzerInnen und die von ihnen übersetzten Lemmata 1577
- Verzeichnis der BeiträgerInnen von Bildmaterial 1579
- Verzeichnis der Abbildungen 1580
- Synopsis (deutsch/English/slovensko) 1599
- Biographien der Herausgeber 1602