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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3
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Page - 204 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3

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204 I» diesem kritische» Augenblicke lenkte der Kaiser ein; er entschloß sich zu einem Wechsel seiner inneren und äußeren Politik. Am 20. und 25. November 1789 widerrief Josef alle Ordonnanzen, die er für Belgien erlassen hatte, versprach die „ioxeuss entree- wieder in Kraft zu setze« und gewährte eine allgemeine Amnestie. Doch war es zu spät. Die Zugeständnisse wurden nur als Zeichen der Furcht und Schwäche der Regierung gedeutet. Die Seemächte und Preußen übernahmen die Garantie der ständischen Verfassung. Die Depntirten der Provinzen traten in Brüssel zusammen und constituirten sich als „die ver- einigten belgischen Staaten". Der souveräne Congreß übernahm die Regierung des Landes. Um die Unruhen in Ungarn zu dämpfen, widerrief Josef am 30. Januar 1790 die meisten der in den letzten zehn Jahren erlassenen Verordnungen und erkannte die Ver- waltungsformen, wie er sie bei seinem Regierungsantritte vorgefunden, als zu Recht bestehend an. Er bewilligte die Wiederherstellung der Obergespane und der alten Behörden. Er versprach die Krone herauszugeben. Nur die kirchlichen Einrichtungen und die neu- geordneten Verhältnisse der Unterthanen zu den Grundherrschaften hielt er aufrecht. „Ich wünsche von Herzen", lauteten die Schlußworte der berühmten kaiserlichen Entschließung, „daß Ungarn an Glückseligkeit und guter Ordnung so viel gewinne, als ich durch meine Verordnungen in allen Gegenständen selbem verschaffen wollte." Zu den Sorgen um die inneren Verhältnisse gesellten sich die düsteren Ausblicke auf den äußeren Bestand des Reiches. Friede um jeden Preis — war der Auftrag, den Josef seinem Staatskanzler ertheilte. Er wollte alle Eroberungen im Südosten herausgeben, um dann seine Waffen gegen jenes Preußen zu richten, das alle seine Entwürfe durchkreuzt hatte, das mit allen seinen Gegnern in Verbindung stand. Doch die Sanduhr seines Lebens war bereits abgelansen. Josef hatte stets auf ein- samer Höhe dagestanden, nur vou wenigen Männern umgeben, wie etwa Lach, der sein Vertrauen in besonderem Maße genoß, oder Cabinetsseeretär Anton, der die Korrespondenz besorgte. Sei» Bruder Leopold uud seine Schwestern, mit denen er eifrig correfpondirte, lebten in der Fremde und theilten seine Anschauungen nicht. Selbst Kaunitz hielt sich von ihm ferne, da er seit Jahren die Berührung mit Kranken schenke. Nur sein Neffe Franz weilte iu seiner Nähe; er hatte ihn ans Florenz nach Wien berufen, um selbst seine Erziehung zu überwachen. Sonst waren es in den letzten Jahren vornehmlich fünf edle Damen, die Fürstiuuen Clary, Kinski), Leopoldine und Eleonore Liechtenstein und die Gräfin Kaunitz, iu deren anregender Gesellschaft er Erholung von den Staatsgeschäften suchte. Unendlich angenehm war dem Kaiser anch der Umgang mit der liebenswürdigen, bescheidenen Gemali» seines Neffen Franz, der Prinzessin Elisabeth von Württemberg. Um so tiefer berührte ihn ihr unerwartet plötzlicher Tod. Zwei Tage darnach — am 20. Februar 1790 — schied er selbst nach kurzem Todeskampfe, einsam und verlassen, wie
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Volume 3
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Volume
3
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1887
Language
German
License
PD
Size
15.64 x 22.39 cm
Pages
278
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
Kronprinzenwerk deutsch

Table of contents

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild