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Glück und unter fortwährenden Unterhandlungen. Als endlich im Jahre 1645 der Schwede
Torstenson bis Wien vorrückte, Brünn belagerte, die Pforte aber den Feldzug Räköczys
gegen den Kaiser mit scheelen Augen zu betrachten anfing und Ferdinand III. das Friedens-
werk einem überlegteren Manne als dem leidenschaftlichen, streitsüchtigen Eszterhazy
anvertraute, kam der Ausgleich zwischen dem König und dem Fürsten zu Stande und am
16. December 1645 wurde zu Linz der Friede geschlossen, den aber Eszterhazy, der am
11. September 1645 starb, nicht mehr erlebte.
Räköczy erhielt nebst den großen Tokajer, Tarczaler und Regeczer Herrschaften die
sieben Comitate, welche Bethlen bereits besessen hatte, doch derart, daß Szathmär und
Szabolcs auch bei Räköczys Sohne verbleiben und die Szathmärer Burg so lange zu
Siebenbürgen gehören sollte, als die Räköczys dort den Fürstensitz einnehmen würden.
Bezüglich der Religionsangelegenheiten wurden der Wiener Friede und die Gesetze von
1608 deutlicher umschrieben und mehr im Detail ausgearbeitet. Den Protestanten und
selbst den Unterthanen wurde die freie Religionsübung, die Benützung der Kirchen, Glocken,
Friedhöfe gestattet. Die Vertreibung der Geistlichen, die Wegnahme der Kirchen wurde ver-
boten, die Zurückberufung der Vertriebenen, die Rückgabe des Weggenommenen angeordnet.
Demgemäß ließ der Preßburger Reichstag, welcher am 24. August 1646 zusammentrat
und am 3. Juni 1647 den vierzehnjährigen Sohn des Königs als Ferdinand IV. zum König
wählte und anch krönen ließ — den Linzer Frieden, trotz der Verwahrung der Geistlichkeit,
auf ausdrücklichen Wunsch des Königs unverändert, inarticuliren. Er ordnete außerdem
die Rückgabe von neunzig Kirchen an und setzte Geldstrafen gegen Diejenigen fest, welche
fortan den Religionsfrieden durch Kirchenwegnahmen stören würden. Der Protestantismus
hatte demnach abermals gesiegt, meist freilich nur auf dem Papier. Denn der Katholicismus
hatte auch seit dem Zeitalter Gabriel Bethleus an Terrain gewonnen, und selbst Diejenigen,
welche ihrem Amte zufolge die Religionsfreiheit schützen, das Gesetz vollstrecken sollten,
waren meist Gegner des Protestantismus, wenn sie denselben auch nicht immer geradezu
verfolgten. Schon während des Verlaufes des Reichstages schlug der Palatin Graf Johann
Draskovich — Eidam Stanislans Thurzös, des letzten protestantischen Palatins — an
seinen Säbel, als die Protestanten zu viele Kirchen für sich zurückforderten, und unter den
Katholiken, welche gegen die Rückgabe der Kirchen protestirten, befand sich der einzige
männliche Sprosse einer alten Protestantenfamilie — welche bisher ein Hauptpfeiler dieses
Glaubens gewesen war — der junge zweiuudzwanzigjährige Graf Franz Nädasdy, welcher
schon im Jahre 1643 Nikolaus Eszterhazy zum katholischen Glauben bekehrt hatte. Der
niedere Adel, die Städte, das Volk waren großentheils noch protestantisch, doch unter den
Magnaten befanden sich um die Mitte des XVII. Jahrhunderts nur noch vier Familien,
deren Mitglieder sämmtlich der Reformation angehörten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch