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Die Türke»ikriege und die Zeit der „Kurutzen".
Der Friede zu Zsitvatorok, welcher von Zeit zu Zeit erneuert wurde, verbot den Türken
wie den Ungarn in die gegenseitigen Gebiete einzufallen und die beiderseitigen Festungen zu
belagern. Trotzdem wurden die Verwüstungen fortgesetzt. Die Türken fuhren wie vorher
fort, in kleineren oder größeren Haufen in das ungarische Gebiet einzubrechen, zu plündern,
sich Dörfer tributpflichtig zu machen; dagegeu hatten ihre Klagen kein Ende, wenn die
Ungarn einmal Repressalien gebrauchten. Selbst an größeren Zusammenstößen fehlte es
nicht, wie z. B. bei Groß-Vezekeny, im Barser Comitat, wo die räuberischen Türken von
Gran und dessen Umgebung von dem Adel der nächstgelegenen Comitate und den Grenz-
trnppen unter dem Commando des Grafen Adam Forgäch angegriffen wurden und vier
Eszterhäzy: Ladislaus, der Sohn des Palatins, und seine Vettern: Franz, Commandant
von Gyarmath, Thomas, Commandant von Lewentz, Kaspar, Ritter vom goldenen Sporn,
junge vierundzwanzig- bis sünfunddreißigjährige Männer, ihre Truppen anfeuernd und
ihneu im Kampfe voranstürmend, den Heldentod für das Vaterland starben.
Fünf Jahre später fand, um auch eiues der zahllosen kleineren Treffen zu erwähne«,
(am 28. Juni 1657) tief in dem den Türken unterworfenen Gebiete bei Csikvar, in der
Nähe von Stuhlweißenburg, ein Zusammenstoß statt, in welchem Peter, der Ahne der
gräflich Szapäry'schen Familie, ein gebildeter, tapferer Jüngling, schwer verwundet in
die Gefangenschaft der Türken gerieth und nach Ofen geschleppt wurde, vou wo er erst
nach vier Jahren, nach viel Elend und Pein, mittelst eines Lösegeldes von 22.000 Thalern
befreit wurde.
Diese Einfälle konnten durch die Besatzungen jener mehr als achtzig größeren und
kleineren befestigten Plätze, welche an der Grenze des Landes von Szathmär bis an das
adriatische Meer mit vielen Kosten und Mühen erhalten wurden, nur theilweise gehindert
oder heimgezahlt werden. In Oberungarn, in den Theißgebieten, deren Obercapitän seinen
Sitz in Kaschan hatte, waren die bedeutenderen Plätze: Szathmär, Källö, Tokaj, Onod,
Szendrö, Putuok. Diesseits der Donau, im Neuhäusler oder Antemontan-Generalat war
Neuhäusel die Hauptfestung, welche von den Graner Erzbischösen erbaut und größtentheils
mit geistlichem Gelde erhalten wurde. Jenseits der Donau war Raab die Hauptfestung
nnd darüber hinaus: gegen Papa, Veszprim, im Szalader Comitat, bildeten zahlreiche
größere und kleinere Befestigungen das gegen Kanizsa gelegene Generalat bis zur Murinsel
uud bis Legräd, die von den Zrinyis mit starker Haud geschützt und vertheidigt wurden
uud über welche hinaus die slavonischen und kroatischen Grenzdistricte folgten. Alle diese
Plätze boten indeß nnr dann und wann Schutz und die eifrigen Patrioten begannen — in
dem seit dem Wiener Frieden trotz allen äußeren und inneren Schlägen allmälig erwachenden
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch