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und Kaspar, der im Jahre 1663 noch einen dritten Brnder, Georg, Titnlarbischof von
Semendria, in dem Kriege gegen die Türken verlor.
Nach einiger Zeit erschien auch der Palatin im Lager mit seinem wohlbewaffneten
Hausgesinde, es kamen serner Mitglieder der jetzt noch lebenden Familien Festetics, Bekassy,
Balassa, Ottlik, Motesiezky, Palasthy, Semsey, Sennyei, Bagossy, Ragälyi, Berthöty,
Fiäth, Zichy; dort befanden sich ferner, aber schon in den Reihen der regnlären kaiserlichen
Armee, vier Palffy; dort Johann Bottyan, Hnsarencapitän aus Gran, der an der Spitze
der Csepelinsel den flüchtenden Harem des Ofener Paschas gefangen nahm, ferner Graf
Nikolaus Bercsenyi, der einuudzwauzigjährige feurige Sohn des Nenhänseler General-
lieutenants, ein später berühmt gewordener Name der ungarischen Geschichte, endlich
David Petnehazy mit seiueu Husaren und Hajdnken, der, seitdem er Tökölyi verlassen, in
den Gebiete« jenseits der Theiß sich gegen die Türken so sehr auszeichnete, daß selbst der
Wiener päpstliche Nuntius ihm, dem strengen Reformirten, eine goldene Kette als
Anerkennung seiner Tapferkeit sandte. Die Ofener Festung, der Schlüssel des türkischen
Reiches, wie man in Constantinopel sagte, wurde vou dem Albaueseu Abdnrrahman
Pascha vertheidigt, der gegen die Venetianer und Polen bei Candia, sowie in der Ver-
theidigung von Kaminieez sich seine Lorbeeren geholt hatte und die Heldenlaufbahn seines
siebenzigjührigen Lebens nicht mit Schmach und Schande beschließen wollte. Die nördliche
Vorstadt der Festung, die heutige obere Wasserstadt, vou deren gebrechlichen Mauern noch
jetzt Trümmer ans der Ofener Landstraße sichtbar sind, nahmen die christlichen Truppen
mit leichter Mühe ein (am 24. Juni), doch aufwärts zur Festung mußte jeder Fuß breit
Boden mit Blut erkauft werden. Max Emannel griff mit seinen Baiern, den Sachsen und
einigen kaiserlichen und ungarischen Truppen von der Südseite das königliche Schloß,
Herzog Karl den von dem heutigen Wiener Thor bis zur nordwestlichen Ecke der Festnngs-
mauer, bis zum sogenannten Graner Rondell sich erstreckenden, etwas über die heutige
Bastei hinausliegeudeu, mit einer dreifachen Mauer geschützten nördlichen Theil an. Am
13. Juli fand der erste allgemeine Sturm statt. Die spanischen, englischen und französischen
Freiwilligen stürmten begeistert voran und vergossen ihr Blut, doch erfolglos. Der Sturm
wurde abgeschlagen. Doch gelang er besser nach zwei Wochen (am 27. Juli). Nun ging
ungarisches Fußvolk (Hajdukeu) voran. Die Türken ließen eine Mine nach der anderen
aufflattern. Von den Mauern fielen nnd flogen Flintenkngeln, ein Steinregen, Hand-
granaten, brennendes Pech, hundert und aberhundert sich entzündender Pnlverfäcke auf die
Angreifenden herab. Die Männer der Besatzung wurden von ihren Frauen uud Kindern
sowie von den Ofener Juden unterstützt, vou denen manche zu deu Waffe» griffen, andere
die türkischen Soldaten dnrch Versprechungen reicher Belohnung aneiferten. Ein Flammen-
meer nmhüllte die Stürmenden. Auch Herzog Karl setzte den Helm ans und commandirte
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch