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In den Händen der serbischen und rumänischen Ackerbanbevölkernng, welche die
südlichen und südöstlichen Theile der großen Ebene bewohnt, sehen wir ein dem ungarischen
Pferde ähnliches, aber durch schlechtere Wartung uud allzu frühzeitige Ausuützuug herab-
gekommeues Pferd: nur ansuahmsweise finden sich dort in einzelnen Gemeinden Pferde,
welche zu militärischen Zwecken, und zwar als Reitthiere benützt werden können.
Alle diese Pferdeschläge finden sich jedoch nicht nach Gegenden abgesondert,
sondern vermischt vor. Die verschiedenen Nationalitäten angehörigen Bewohner einer und
derselben Gegend, ja Gemeinde ziehen oft ganz verschiedenartige Pferde, und man sieht es
meistens dem Pferde an, welcher Nationalität sein Besitzer angehört.
Im Alsöld hat der Pflug den begrasten Puszten, auf denen früher Gestüte weideten,
ein Ende gemacht; eine Ausnahme bildet etwa die Hortobägy, auf der noch jetzt 8.000 bis
i).000 Pferde grasen und wo der altmodische Csikös, der mit der Wurfschlinge das Pferd
aus seiner Heerde herausfängt, noch jetzt zu finden ist.
Nicht die Gestüte sind es, in denen das Pferdematerial des Alföld weidet und
aufgezogen wird, sondern in den Ställen der kleinen Grundbesitzer steht das Gros des
Bestandes, dieses mehrt und bessert sich fortwährend und seine Besserung wird mit der
Steigerung der Futterproductiou ohue Zweifel noch bedeutend zunehmen.
Die Hornviehzucht auf der Ebene ist, was die Verschiedenheit der Racen betrifft,
mit der der Alföldgegend identisch. Das festländische Klima, die extensive Betriebsweise,
der Mangel an besserem Futter, zwingen die Kleingrundbesitzer des Alföld, die Qualität
der Weiden aber den größeren Grundbesitzer, das schöne ungarische Vieh, diesen Schatz
des Laiides, zu züchten und in der Richtung der obwaltenden Bedürfnisse weiter zu
entwickeln. Diese Race weidet auf ödeu Stoppel- und Brachfeldern, verwerthet die magere
Weide des Sodabodens, knabbert das Dürrgras ab und holt sich dann seinen Trnnk beim
Röhricht. Den Winter verbringt es in der Hürde oder im Pferch und nur gegen den
Regen zimmert man ihm ein schützendes Dach; es hält das Hungern aus, was für viele
Landwirthe im Alföld eine sehr schätzbare Eigenschaft ist, und dennoch entwickelt es sich
zu so großen muskulösen Jochochsen, wie sie selten anderswo zu finden, denn kein anderes
Vieh bewegt sich so hurtig, und Ochsen, die bei schwerer Arbeit zehn, ja zwölf Jahre lang
im Joch gedient haben, kann schwerlich eine andere europäische Race ausweisen.
Ein angeblicher Fachmann in Wien hat einst behauptet, das Fleisch des ungarischen
weißen Rindes sei nicht schmackhaft und hart. Gerade Wien kann Jeden vom Gegentheil
überzeugen, denn in wenigen Städten Europas ißt man so feines, schmackhaftes Fleisch wie
dort, einen sehr bedeutenden Theil des dort geschlagenen Viehes machen aber gerade die
weißen nngarischen Mastochsen aus. Das Fleisch des jungen ungarischen Mastochsen kann
sich, wie die Budapester Viehausstellung im Jahre 1885 unwiderleglich bewiesen hat, mit
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch