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Landwirth das Mangelnde aus dem Futtersacke ersetzt. Die glückliche Zeit beginnt nach
der Ernte; behend suchen sich die Thiere die gebrochenen Ähren und entfalleneu Körner
zusammen und sättigen sich bald, worauf der Hirt die Herde in irgend eine Flachmulde
treibt, wo sie im feuchten kühlen Grunde den Mittag verbringen soll. Bis in den Spät-
herbst geht es der Herde gut; ist aber der Herbst günstig und zieht der Ackersmann, zu
Vieren, den Pflug tief eingesenkt, die endlosen Furchen, dann sieht der Schweinehirt
traurig ins schöne Wetter hinein und folgt mit verdrossenem Blick dem fliegenden
Altweibersommer, der solches bedeutet, denn das ist die Zeit, wo die Weide seiner Thiere
eben durch den Pflug eingeschränkt wird.
Aber die gute Zeit dauert in der Regel nicht lange; die Herbstregen beginnen, die
Wege werden grundlos, das Ackern im tiefen Boden wird schwierig, und hört der Regen
auf, so kommt der Reif, dem wieder die Fröste folgen. Das kalte, ungünstige Wetter
schadet deu Weiden, eine Herde Vieh nach der andern sieht sich in den Stall zurück-
gedrängt. In den Rinderhürden werden die Futterraufen aufgestellt, Kälber und
Jungvieh werden eingestallt und an die Krippe gebuuden. Man schneidet für die einge-
stellten Thiere Futter: Wurzel- und Knollengewächse, man läßt Futter dämpfen, kurz es
beginnt die schwere und sorgenvolle Arbeit des Überwinterns. Draußen senken sich Nebel
auf die große Ebene herab, schöne Frostkrystalle schlagen sich nieder, bedecken das
Dürrgras, überziehen das Geäst der Bäume, und endlich schneit es und der Schnee legt
seine weiße Decke über das Flachland.
So ist das Alsöld, so ist das wechselvolle Antlitz der ungarischen Landwirthschaft.
Mit gar mancherlei Nöthen hat der Landmann da zu kämpfen, aber er ist ihnen gewachsen.
Wir haben gezeigt, daß in diesem Lande stellenweise ein großer Fortschritt vor sich geht,
aber wir haben auch nicht verschwiegen, welche Zurückgebliebenheit hart daneben zu
finden ist. Jene vorgeschrittenen Gegenden erfreuen den Fachmann, denn er sieht in ihnen
Mittelpunkte, von denen aus das rationelle Gebaren sich nach und nach in weiten Kreisen
auch über die anderen Wirthschaften erstrecken wird. Manches Hinderniß steht dieser
Ausbreitnug im Wege, aber die Erwartung ist berechtigt, daß mit Hilfe der zuuehmeudeu
Fachkenntniß und Arbeitslust, und andererseits durch deu wachsenden Bedarf gedrängt,
die ungarischen Landwirthe auf diesem Wege vorwärtskommen werden.
Der Weinbau.
Ungarn ist durch seiu besonders günstiges Klima eines der großen Weinländer der
Welt geworden und nimmt den dritten Platz ein hinter Frankreich, das in dieser Hinsicht
an erster Stelle steht. Sein Weinbau bedeckt einen Flächenraum von 427.(X)() Joch und
seine durchschnittliche Jahresprodnetion beläuft sich auf beinahe fünf Millionen Hektoliter.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch