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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
Seite - 451 -
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451 Landwirth das Mangelnde aus dem Futtersacke ersetzt. Die glückliche Zeit beginnt nach der Ernte; behend suchen sich die Thiere die gebrochenen Ähren und entfalleneu Körner zusammen und sättigen sich bald, worauf der Hirt die Herde in irgend eine Flachmulde treibt, wo sie im feuchten kühlen Grunde den Mittag verbringen soll. Bis in den Spät- herbst geht es der Herde gut; ist aber der Herbst günstig und zieht der Ackersmann, zu Vieren, den Pflug tief eingesenkt, die endlosen Furchen, dann sieht der Schweinehirt traurig ins schöne Wetter hinein und folgt mit verdrossenem Blick dem fliegenden Altweibersommer, der solches bedeutet, denn das ist die Zeit, wo die Weide seiner Thiere eben durch den Pflug eingeschränkt wird. Aber die gute Zeit dauert in der Regel nicht lange; die Herbstregen beginnen, die Wege werden grundlos, das Ackern im tiefen Boden wird schwierig, und hört der Regen auf, so kommt der Reif, dem wieder die Fröste folgen. Das kalte, ungünstige Wetter schadet deu Weiden, eine Herde Vieh nach der andern sieht sich in den Stall zurück- gedrängt. In den Rinderhürden werden die Futterraufen aufgestellt, Kälber und Jungvieh werden eingestallt und an die Krippe gebuuden. Man schneidet für die einge- stellten Thiere Futter: Wurzel- und Knollengewächse, man läßt Futter dämpfen, kurz es beginnt die schwere und sorgenvolle Arbeit des Überwinterns. Draußen senken sich Nebel auf die große Ebene herab, schöne Frostkrystalle schlagen sich nieder, bedecken das Dürrgras, überziehen das Geäst der Bäume, und endlich schneit es und der Schnee legt seine weiße Decke über das Flachland. So ist das Alsöld, so ist das wechselvolle Antlitz der ungarischen Landwirthschaft. Mit gar mancherlei Nöthen hat der Landmann da zu kämpfen, aber er ist ihnen gewachsen. Wir haben gezeigt, daß in diesem Lande stellenweise ein großer Fortschritt vor sich geht, aber wir haben auch nicht verschwiegen, welche Zurückgebliebenheit hart daneben zu finden ist. Jene vorgeschrittenen Gegenden erfreuen den Fachmann, denn er sieht in ihnen Mittelpunkte, von denen aus das rationelle Gebaren sich nach und nach in weiten Kreisen auch über die anderen Wirthschaften erstrecken wird. Manches Hinderniß steht dieser Ausbreitnug im Wege, aber die Erwartung ist berechtigt, daß mit Hilfe der zuuehmeudeu Fachkenntniß und Arbeitslust, und andererseits durch deu wachsenden Bedarf gedrängt, die ungarischen Landwirthe auf diesem Wege vorwärtskommen werden. Der Weinbau. Ungarn ist durch seiu besonders günstiges Klima eines der großen Weinländer der Welt geworden und nimmt den dritten Platz ein hinter Frankreich, das in dieser Hinsicht an erster Stelle steht. Sein Weinbau bedeckt einen Flächenraum von 427.(X)() Joch und seine durchschnittliche Jahresprodnetion beläuft sich auf beinahe fünf Millionen Hektoliter. SS»
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, Ungarn (1)
Band
5
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 22.5 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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