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die Jurisdictiouen, blos wegen verfassungswidriger Form des Vorgehens, der Regierung
gegenüber eine feindselige Stellung an, oft sogar, wenn die Bestrebungen derselben sonst
zum Besten des Landes gedient haben würden.
So geschah es, daß bis zum Jahre 1848 der Fortschritt auf diesem Gebiete nur
eiu laugsamer seiu konnte. Bei alledem ist es interessant, daß in den Bestrebungen sowohl
der Regierung als auch der Nation, hinsichtlich dessen, was für das Verkehrswesen zu
geschehen habe, zwei Ideen deutlich hervortreten: die eine will die Verbindung Ungarns
mit der Adria und die andere die Verbindung mit den südlichen und östlichen Theilen des
Landes, beziehentlich mit den östlichen Ländern, welche damals noch unter türkischer
Herrschaft standen. Beide Grundideen haben stets die Bewegung und die Kämpfe, welche
das Verkehrswesen entfesselte, vollkommen beherrscht nnd sind noch jetzt maßgebend. In
diesen Zeitraum fällt der Ausbau der 17 Meileu laugen Luisen- (Ludovica ) S t r a ß e von
Karlsburg nach Fiume quer durch die diuarischeu Alpen, der ersten Kunststraße, welche
aus dem Inneren Ungarns zum ungarische» Seehafen hinabführte.
Sowohl der Reichstag von 179(1/91, als auch der von 1825, beschäftigte sich ein-
gehend mit der Frage der anzulegenden Straßen und Kanäle, aber obgleich der letztere
sogar eine Regnicolar-Depntation entsendete, die einen detailirten Entwurf über die
Anlage und Erhaltung der Straßen (,I)e vimum structuru et conservutione") aus-
arbeitete, führte« doch diese Bestrebungen unter den damaligen Verhältnissen zn keinem
Resultate. Erst die Thätigkeit des Grafen Stefan Szechenyi brachte einen lebhafteren
Aufschwung in die Entwicklung des ungarischen Verkehrswesens, bei dessen Skizzirnng in
großen Zügen wir denn auch nicht unterlassen können, mit Hochachtung und Pietät des
Mannes zu gedenken, der in den Vierziger-Jahren an die Spitze der Abtheilung für
Eommunicationen im ungarischen Statthaltereirathe gestellt und später im ersten verant-
wortlichen Ministerium Ungarns, als hiezn würdigste und geeignetste Persönlichkeit, mit
der Leitung der öffentlichen Arbeiten und des Verkehrswesens betraut wnrde. „Wenn ich
nicht wüßte", schrieb er zur Zeit, als er seine Stellung im Statthaltereirathe einnahm,
„daß die Himmlischen zuweilen durch Kleine Großes zn schaffen lieben, ließe ich mich
niemals an die Spitze eines so riesigen Werkes stellen, denn wie ich mir dieses vorstelle,
darf es nicht nur so obenhin in Angriff genommen werden. Nun aber bin ich einmal daran
nnd so will ich es denn durchführen, wie meine Vernunft es mir sagt und mein Herz mich
drängt, so lange ich es vermag."
Die Resultate seiner Bemühungen sind: der Beginn der Theißregnlirnng, die
Budapester Kettenbrücke, die Förderung der Donandampfschiffahrt, die Studien zur
Regulirung der Douau und besonders des Eisernen Thores, die Initiative znm Eisenbahn-
bau, endlich die jetzt nach ihm benannte Szechenyistraße, welche von Drenkova durch die
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Volume 5
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Volume
- 5
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 22.5 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch