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geistlichen Stifte und Klöster, der Adel und die Bürgerschaft svlgten ihm theils aus freien
Stücken, theils mehr vder weniger gezwungen im Niederreißen und Bauen, Erueueru
nnd Verschönern nach. Was seine Reformpläne verlangten, mußte geschehen, man mochte
wollen vder uicht, wobei er übrigens mit Förderung nnd Unterstützung jeder Art nicht
kargte. Seine Großmuth gegen die Willfährigen kannte keine Grenzen. In knrzer Zeit
bekam fast die halbe Stabt, wie der Chronist schreibt, eine nene Gestalt. Sie muß sich
auch erheblich vergrößert haben, denn die dnrch die Demvlirnngen aus dem Inneren
verdrängten Elemente setzten sich znm guten Theile an der Peripherie wieder an.
Und hier scheint es uns am Platze, auch auf das salzburgische Bürgerhaus , wie
es in den alten Stadttheilen noch heute vorherrscht, eiueu kurze« Blick zu werfen. Es hat
bekanntlich eine eigenartige, auf deutschem Bode« seltene Gestalt, der man weder archi-
tektonische Schönheit, noch mit Rücksicht auf Klima nnd Lebensweise große Zweckmäßigkeit
nachrühmen kann. Eng und massig an einander gedrängt, mehr in die Tiefe als Breite
gehend, strebt das Gemäuer mit glatten nnbelebten Außenwänden zu der Höhe von vier bis
fünf Geschossen empor und schließt, oben mit einem horizontalen Gesimse das plattformartig
eonstrnirte Holzdach verdeckend, ab. Weder der Erker- noch der Giebelbau des altdeutschen
Bürgerhauses kam hier znr Geltung. Und wie das Äußere, so zeigt in fast typischer Gleich-
förmigkeit auch das Innere manchen eigenen Zug: ein meist nnverhältnißmäßig großes
Stiegen- oder nach ortsüblicher Sprachweise „Borhaus" in der Mitte und offene, von
Marmorsäulen getragene Bogengänge, welche das vordere Hauptgebäude mit einem oft
ebenso großen Hinterbaue verbinde». Zwischen beiden ein enger Hosraum mit dem oft recht
zierlichen Schmuck der erwähnten Säulengänge. Man gewöhnte sich dieses Salzburger-
haus „italienisch" zu ueunen, und in der That mahnt es in einigen Stücken lebhaft an
Italien. Manche Uferpartie unserer Stadt, wv die alten Bürgerhäuser iu gequetschter
Masse sich au die Salzach dräugen, könnte ebensv gnt am Po oder Aruo stehen. Wir
bemerkten früher, daß diese absonderliche Banaulage iu Salzburg unzweifelhaft hohen
Alters, vermuthlich so alt wie die Stadt selber ist. Wie viel zu ihrer Eutwickluug Einflüsse
vom nahen Italien, die kaum ganz wegzuleugnen sind, mitgewirkt haben mögen, läßt sich
hente schwer entscheiden, gewiß aber liegt der erste und natürlichste Erklärungsgrund
in der Lage der Stadt nnd in der Art ihres Entstehens. Das felsige Becken, das heute die
Stadt nach alle» Seiten überquellend ausfüllt, bot vou Anfang schon zwischen Berg und
Fluß kargen Raum zur Besiedlung, uud vou diesem hatte deu größte» uud — iu de«
Augen des schutzbedürftigen Mittelalters wenigstens — besten Theil das Besitzthum der
Kirche eiugeuvmmeu. Für das Bürgerthum, das unter ihren Fittigen allmälig heran-
wuchs, blieb wenig übrig, mit seinem Erstarken wurde es bald zu wenig. Dieses mußte
sich iu engen Gassen und Gäßchen um den breitgelagerten Kern der kirchlichen Gebände
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Volume 6
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Oberösterreich und Salzburg
- Volume
- 6
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1889
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 17.03 x 24.86 cm
- Pages
- 650
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch