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Ist der Erntesegen unter Dach und Fach gebracht, so beginnt im Möllthal das
„Lichtdreschen"; bald nach Mitternacht wird es im Hause lebendig und die Älpler
sindeu sich nach kurzer Nachtruhe auf der Dreschtenne ein, wo die einförmige harte Arbeit
beim Schimmer einer Stalllaterne bis zum Grauen des Morgens fortgesetzt wird. Sobald
das Dreschen seinem Ende naht und die letzten Schober nnter die Dreschflegel geworfen
werden, da fliegen die Drischl in hastiger Eile und mit dem letzten Schlage, der auf der
Tenne verhallt, beeilt sich Jeder und Jede die Drischl so schnell als möglich an ihren
Platz zu hängen. Der Langsamste wurde (im Obermöllthal) mit frohem Gejauchze als
„Nigl" begrüßt und spottweise mit einem Strohkranz geschmückt. Während der Jause hatte
der Nigl seinen Platz unter dem Tische, und wenn man ihn schließlich mit Kuhglocken
behängt an einem Strick durch die Dorfgasse führte, mußte er sichs auch gefallen lassen.
Beim Rübeneinhacken im Gailthal laden die Mädchen, die mit langen scharfen
Messern bewaffnet um einen großen viereckigen Holztrog stehen und taktmäßig auf die
scharf duftenden aufgeschütteten Rüben einHauen, die Vorübergehenden zum „Rüben-
blasen" ' ein oder bitten um einen „Rubeureiter", damit die Rüben feiner werden, das
heißt um einen Beitrag zu einem gemeinsamen Truuk.
Im Spätherbst, wenn Nebel die Bergkuppen verhüllen und eine fröstelnd kalte
Luft durch das Thal streicht, ist die Zeit zum „Brecheln" da. Auch mit dieser staubigen
Arbeit sind absonderliche Gebräuche verbunden. Der „Haar" ist der Hauswirthin besonders
ans Herz gewachsen. Im tiefsten Winter schon denkt sie an das zarte Leinpflänzchen und
an das „Haarlaugfahreu", wie es weiland im Gailthal der Brauch war. „Je weiter man
um Dreikönig fährt", hieß es, „desto länger wird der Haar." Am „Snnnawendabend",
wenn die Feuerchen auf den Jauken und den Bergen ringsumher auflodern, steckt sie ein
Elsenstäbchen mit einem zu Frohuleichuam geweihten Kranze aus Feldblumen in die Mitte
des zwischen dem wogenden Korn mit seinen blaßblauen Blüten wie ein stilles Gewässer
stehenden Haarfeldes. „Der Blumenkranz zieht den Haar," sagt man, „so hoch der Stab,
so hoch wird der Haar". Außer diesem Kranz sieht man in manchem Flachsfelde auch frische
Elseuzweige in den drei Ecken desselben oder auch Palmzweige wegen des Ungeziefers, das
durch die offene Ecke hinausgeht.
„Wenn die Brechelzeit kommt, geht unser Herrgott ins Wälschland." Der Volks-
spruch kennzeichnet hinlänglich das muthwillige Treiben der Brechlerinnen, dieser staubigen
Hexlein, wenn sie in der Badstube oder auf dem freien Brechelplatze Hantiren. Selbst der
harmlos vorübergehende Wanderer wird in ihren Zauberkreis hineingezogen nnd muß sich
von ihnen binden, das heißt seinen Arm oder seinen Hals mit einem Wergbüschel umwinden
' Eine Partie des Rübenbreies wird pyramidal aufgeschichtet, wer sich zum Blasen herbeiläßt, wird mit dem Gesicht
hineingedrückt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch