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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 119 -
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119 Ist der Erntesegen unter Dach und Fach gebracht, so beginnt im Möllthal das „Lichtdreschen"; bald nach Mitternacht wird es im Hause lebendig und die Älpler sindeu sich nach kurzer Nachtruhe auf der Dreschtenne ein, wo die einförmige harte Arbeit beim Schimmer einer Stalllaterne bis zum Grauen des Morgens fortgesetzt wird. Sobald das Dreschen seinem Ende naht und die letzten Schober nnter die Dreschflegel geworfen werden, da fliegen die Drischl in hastiger Eile und mit dem letzten Schlage, der auf der Tenne verhallt, beeilt sich Jeder und Jede die Drischl so schnell als möglich an ihren Platz zu hängen. Der Langsamste wurde (im Obermöllthal) mit frohem Gejauchze als „Nigl" begrüßt und spottweise mit einem Strohkranz geschmückt. Während der Jause hatte der Nigl seinen Platz unter dem Tische, und wenn man ihn schließlich mit Kuhglocken behängt an einem Strick durch die Dorfgasse führte, mußte er sichs auch gefallen lassen. Beim Rübeneinhacken im Gailthal laden die Mädchen, die mit langen scharfen Messern bewaffnet um einen großen viereckigen Holztrog stehen und taktmäßig auf die scharf duftenden aufgeschütteten Rüben einHauen, die Vorübergehenden zum „Rüben- blasen" ' ein oder bitten um einen „Rubeureiter", damit die Rüben feiner werden, das heißt um einen Beitrag zu einem gemeinsamen Truuk. Im Spätherbst, wenn Nebel die Bergkuppen verhüllen und eine fröstelnd kalte Luft durch das Thal streicht, ist die Zeit zum „Brecheln" da. Auch mit dieser staubigen Arbeit sind absonderliche Gebräuche verbunden. Der „Haar" ist der Hauswirthin besonders ans Herz gewachsen. Im tiefsten Winter schon denkt sie an das zarte Leinpflänzchen und an das „Haarlaugfahreu", wie es weiland im Gailthal der Brauch war. „Je weiter man um Dreikönig fährt", hieß es, „desto länger wird der Haar." Am „Snnnawendabend", wenn die Feuerchen auf den Jauken und den Bergen ringsumher auflodern, steckt sie ein Elsenstäbchen mit einem zu Frohuleichuam geweihten Kranze aus Feldblumen in die Mitte des zwischen dem wogenden Korn mit seinen blaßblauen Blüten wie ein stilles Gewässer stehenden Haarfeldes. „Der Blumenkranz zieht den Haar," sagt man, „so hoch der Stab, so hoch wird der Haar". Außer diesem Kranz sieht man in manchem Flachsfelde auch frische Elseuzweige in den drei Ecken desselben oder auch Palmzweige wegen des Ungeziefers, das durch die offene Ecke hinausgeht. „Wenn die Brechelzeit kommt, geht unser Herrgott ins Wälschland." Der Volks- spruch kennzeichnet hinlänglich das muthwillige Treiben der Brechlerinnen, dieser staubigen Hexlein, wenn sie in der Badstube oder auf dem freien Brechelplatze Hantiren. Selbst der harmlos vorübergehende Wanderer wird in ihren Zauberkreis hineingezogen nnd muß sich von ihnen binden, das heißt seinen Arm oder seinen Hals mit einem Wergbüschel umwinden ' Eine Partie des Rübenbreies wird pyramidal aufgeschichtet, wer sich zum Blasen herbeiläßt, wird mit dem Gesicht hineingedrückt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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