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Übergang aus der vormärzlichen Zeit in die Gegenwart. Seine Dichtungen „Nach der
Sonnenwende" sind Perlen der modernen Lyrik geworden. In den Novellen, die mit echt
kärntnischer Gemüthlichkeit geschrieben sind, waltet noch der Geist der Romantik. Mit den
Romanen steht er dagegen ganz auf dem Bodeu der modernen socialen Frage. Sein
cnltnrhistorischer Roman „Grafenpfalz" dürfte den besten dieser Art würdig an die Seite
zu stellen sein. — Auch die jüngste Zeit reifte manches schöne Talent in Kärnten. Ihr
gehören außer den Dichtern Th. Jaritz: „Schwanentöne an mein geliebtes Käruteu",
F. von Benedict: „Die Guzmanu", L. Germouik: „Kornblumen", „Alpenglühen", auch
L. Weuger, R. Waizer und andere an, deren Lieder sich in verschiedenen Zeitschriften finden.
Fritz Pichler (geboren 7. Juli 1834 zu Klageufurt) hat sich nicht blos durch seine
kräftig ernsten Balladen und Novellen, sondern auch dadurch um die deutsche Dichtung in
Kärnten verdient gemacht, daß er die Lieder eines anderen, leider zu früh verstorbenen
Kärntner Sängers, Gustav Bogeusberger, sammelte und herausgab. Wuchtige Töne schlägt
der Sohn des eisumstarrten Möllthals, Johann Kleinfercher (Fercher von Steinwand)
in seiner Liedersammlung „Deutsche Klänge", in „Gräfin Seelenbrand" und dem Drama
„Daukmar" an. Hohen idealen Anschauungen weiht seine Kunst der Oberdranthaler
Friedrich Marx in seinen lyrischen Dichtungen „Gedichte" und „Gemüth und Welt", wie
in seiueu Dramen „Olympias" und „Jacobäa von Baiern". Th. Schlegel wandte sich in
jüngster Zeit wieder der poetischen Behandlung altkärntnischer Sagenstoffe zu. Der Lyriker
der Gegeuwart ist Ernst Rauscher von Stainberg (geboren am 3. September 1834 zu
Klagenfurt). Warme Liebe zur Heimat, edle Männlichkeit, sittlich schöne Haltung und feste,
sichere Weltanschauung sind die Grundzüge seiner Dichtungen. „Nora", ein lyrisch-episches
Gedicht, „Am Hochkar", eine Novelle in Versen, die Idylle „Fiorenza" und „Die weiße
Rose" sind duftige poetische Blüten. Der durch seine sittlich-ernsten Erzählungen als
Jugendschriftsteller bekannte Franz Frisch und der Märchenerzähler F. Franziszi mögen
den Reigeu schließen.
Dialect und Dialectdichtnng. — Kärnten ist eines der großen Thore, durch
welches zu Beginn des Mittelalters die Wanderscharen von Norden oder Osten her nach
dem sonnigen Süden zogen. Wiewohl weder die rauhen Hochthäler noch die vielen
Trümmerstätten früherer Cultur zum Bleiben einluden, so mögen doch, namentlich in den
von der großeu Heerstraße etwas abseits liegenden Thälern Reste der germanischen Scharen
zurückgeblieben sein, die sich unter der slavischen Herrschaft ihre nationale Selbständigkeit
bewahrten und dann mit dem immer weiter nach Osten vordringenden bajnvarischen
Stamme vermengten.
Sei es dies, seien es die eigenthümlichen Natnrverhältnisse des Landes, sei es auch
wohl nachbarlicher fremdsprachlicher Einfluß, — genug, es bildete» sich iu dem kleine»
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch