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Gitsche (kleines Mädchen) hat er vvm Tirvlerlande überkommen. Früher bekam man hier
nicht selten, wenn man ein kleines Mädchen um seinen Namen fragte, die naive Antwort:
„Gitsche haß i".
So ganz verschieden von der Sprache des Westens ist die des kärntnischen Ostens,
die Mundart des Lavant tha lers . Im nördlichen Theile, der durch den Twimberger
Graben vom südlichen geschieden wird, sowie in den westlichen Gehängen der Saualpe,
vom Klippitzthor und dem Löllinger Graben nordwärts, waltet die Sprache des Ober-
steirers vor; im südlichen Theile, dem unteren Lavantthal herrscht die jenseits der Koralpen
um Schwanberg und Deutsch-Landsberg verbreitete Hitzendorser Mundart. Scharfe
Scheidung der beiden findet wohl nicht statt. Mehr hallend erscheint sie im Norden, gegen
die slavische Sprachgrenze zu etwas singend.
Noch sei in Kürze des slavischen nnd romanischen Einflusses auf unsere Mundart
gedacht. Daß Körnten ein sehr günstiger Boden für die Sprachmischung ist, liegt auf der
Hand, man betrachte nur die natürliche Abgeschlossenheit des Landes.
Unser hartkliugendes, den Kärntner sofort kennzeichnendes k, die nicht minder harte
Aussprache des h wie ch, z. B. Wahrcheit, die Verhärtung des b zn p (Bote — Pot), die
auffällige Vertauschung von Vocallängen und Kürzen sind entschieden auf den Einfluß
deutschredender slavischer Nachbaru zurückzuführen. Daß der Klagenfnrter am und nicht
auf dem Ulrichsberg war, daß der Kärntner überhaupt auf und nicht an Gott glaubt,
dankt er dem slavische» na. Die häusige Einschaltung von „aber" und die Zunahme des
lei gegen die slavische Sprachgrenze hin erinnern an das pa und le des Nachbarn. Wenn
er Worte wie „etwas abkehren" (rückerstatten), „sich überziehen"' nnd andere in einem
anderen als des Wortes eigentlichem Sinne nimmt, folgt er dem Slaven. Slavisch ist
der Gebrauch des sächliche» Relativs z. B. der, was austräg'u thuet, slavisch ferner die
Verwendung des „allein" statt „selbst", z. B. sie arbeitet alles allein. Auch der Sprach-
schatz der Mundart wurde mit vielen Lehnwörtern daraus bereichert, z. B. Jauk, Tschersel,
Tschoja, Kripfeu, Tep, Hetfchepetfch Auch des Deutsch-Gailthalers Kösa (Getreideharfe)
hat der nachbarliche Slovene ihm geborgt. Von Ortsnamen nicht zu reden.
Karger ist der romanische Einfluß. Italienisch redende Bevölkerung gibt es im
Lande uicht uud fast nirgends ist der Übergang von einer Sprache zur andere» so
unvermittelt wie bei Poiltafel. Dennoch haben sich gar manche Ausdrücke, die im
Romanischen wurzeln, in die Mnndart eingeschlichen. So hat gar Mancher seinen Scherm
(Schirm) gegen ein Nnmerell (Ombrella) umgetauscht; Zockel ist der Holzschuh, tokazen
heißt schluchzen, klopfen, Refchuu — Vernunft, mangare — es sei, Maneschtra — Brei,
Tschik — Rauchtabak uud andere Worte, die entweder ans dem Italienischen stammen,
' umkleiden. - Südwind, Schuh, Eichelheher, Hüsteln, Stammler, Hagebutte.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch