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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 141 -
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141 Gitsche (kleines Mädchen) hat er vvm Tirvlerlande überkommen. Früher bekam man hier nicht selten, wenn man ein kleines Mädchen um seinen Namen fragte, die naive Antwort: „Gitsche haß i". So ganz verschieden von der Sprache des Westens ist die des kärntnischen Ostens, die Mundart des Lavant tha lers . Im nördlichen Theile, der durch den Twimberger Graben vom südlichen geschieden wird, sowie in den westlichen Gehängen der Saualpe, vom Klippitzthor und dem Löllinger Graben nordwärts, waltet die Sprache des Ober- steirers vor; im südlichen Theile, dem unteren Lavantthal herrscht die jenseits der Koralpen um Schwanberg und Deutsch-Landsberg verbreitete Hitzendorser Mundart. Scharfe Scheidung der beiden findet wohl nicht statt. Mehr hallend erscheint sie im Norden, gegen die slavische Sprachgrenze zu etwas singend. Noch sei in Kürze des slavischen nnd romanischen Einflusses auf unsere Mundart gedacht. Daß Körnten ein sehr günstiger Boden für die Sprachmischung ist, liegt auf der Hand, man betrachte nur die natürliche Abgeschlossenheit des Landes. Unser hartkliugendes, den Kärntner sofort kennzeichnendes k, die nicht minder harte Aussprache des h wie ch, z. B. Wahrcheit, die Verhärtung des b zn p (Bote — Pot), die auffällige Vertauschung von Vocallängen und Kürzen sind entschieden auf den Einfluß deutschredender slavischer Nachbaru zurückzuführen. Daß der Klagenfnrter am und nicht auf dem Ulrichsberg war, daß der Kärntner überhaupt auf und nicht an Gott glaubt, dankt er dem slavische» na. Die häusige Einschaltung von „aber" und die Zunahme des lei gegen die slavische Sprachgrenze hin erinnern an das pa und le des Nachbarn. Wenn er Worte wie „etwas abkehren" (rückerstatten), „sich überziehen"' nnd andere in einem anderen als des Wortes eigentlichem Sinne nimmt, folgt er dem Slaven. Slavisch ist der Gebrauch des sächliche» Relativs z. B. der, was austräg'u thuet, slavisch ferner die Verwendung des „allein" statt „selbst", z. B. sie arbeitet alles allein. Auch der Sprach- schatz der Mundart wurde mit vielen Lehnwörtern daraus bereichert, z. B. Jauk, Tschersel, Tschoja, Kripfeu, Tep, Hetfchepetfch Auch des Deutsch-Gailthalers Kösa (Getreideharfe) hat der nachbarliche Slovene ihm geborgt. Von Ortsnamen nicht zu reden. Karger ist der romanische Einfluß. Italienisch redende Bevölkerung gibt es im Lande uicht uud fast nirgends ist der Übergang von einer Sprache zur andere» so unvermittelt wie bei Poiltafel. Dennoch haben sich gar manche Ausdrücke, die im Romanischen wurzeln, in die Mnndart eingeschlichen. So hat gar Mancher seinen Scherm (Schirm) gegen ein Nnmerell (Ombrella) umgetauscht; Zockel ist der Holzschuh, tokazen heißt schluchzen, klopfen, Refchuu — Vernunft, mangare — es sei, Maneschtra — Brei, Tschik — Rauchtabak uud andere Worte, die entweder ans dem Italienischen stammen, ' umkleiden. - Südwind, Schuh, Eichelheher, Hüsteln, Stammler, Hagebutte.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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