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kleinen Liedchen, welche anderwärts „Schnadahüpfel", hier aber bald „Gsauglu", „Gsäzlu",
am häufigsten aber „Schwaz- oder Plepperliadlu" heißen. Ihrem poetischen Gehalte nach
sind diese „Plepperliadlu" von sehr ungleichem Werthe. Neben wahren Perlen der Poesie
läuft viel Minderwerthiges.
Ein beträchtlicher Theil dieser lustigen Erzeugnisse des Tanzbodens verdient gar
nicht mehr den Namen des Liedes oder des Gedichts; es sind jene derben Gassenhauer,
welche nnr noch an der Zugkraft der darin enthaltenen „Schlager" und Zoten gemessen
zu werden verdienen.
Die Dichtuugsform des „Plepperliadls" ist das vorherrschende Medium, desseu
sich heute der dichterische Geist des Volkes zum poetischen Ausdruck seiner Empfindungen
und Gedanken bedient. In ihm werden alle Borfälle und Verhältnisse des Lebens auf
dem Laude iu der ganzen Mannigfaltigkeit der Stimmungen und Empfindungen behandelt,
welche dieselben erzeugen. Selbstverständlich ist die Liebe mit ihrem Suchen und Finden,
ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, ihren Freudeu und Leiden die weitaus reichste
Quelle für den Gedankeninhalt dieser Lieder. Ein anderes beliebtes Stoffthema derselben
ergibt sich in dem Selbstbewußtsein und der Rivalität der Ortschaften nnd Gaue, der
Classen uud Bernse. Selbst das wirthschaftliche und politische Leben findet hier nnd da
in ihnen seine Beleuchtung.
Die sprachlichen Mittel dieser Lieder sind einfach, der Dichter aus dem Volke drückt
seine Stimmungen und Gedanken in schlichter und epigrammatischer Kürze aus. Das
einzige häufigere Kuustmittel, das znr Anwendung kommt, ist das Bild. — Von gleicher
Einfachheit ist der Versbau dieser kleineu Volkslieder von Dentschkärnten. Abweichend
von der in der Knnstpoesie herrschenden Praxis, wo der Vers nach Länge nnd Kürze der
Silben gemessen zu werden pflegt, bestimmt hier der Tonfall Hebnng und Senkung das
Maß des Verses, ganz so wie dies in der mittelhochdeutschen Dichtung geschah. In der
Regel kommen bei diesen Kärntner Liedern zwei bis drei Hebungen auf eine Zeile, denen
ebenso viele Senkungen folgen. Die Strophen sind meist vierzeilig, doch treten anch
daneben hier uud da sechs- uud achtzeilige auf.
Eine kleine Sammlung möge die wesentlichsten dieser Strophenformen illnstriren.
Am häufigsteu erscheinen Strophen von dem Baue der solgeudeu:
Seit i di, seit i di,
Mei liabs Gretele ken.
Schön blau is der See
Unt mei Herz tuet mir weh,
's weat nit entar gsunt
Bis mei Bue wieder kumt.
Mei Diandle is sauber
Is weiß wia der Schnee,
Däs macht halt das Wäser (Wasser)
Vom Klagnsurtner See.
Hän wol viel Diandlan gsegn,
Laß se allzamen sten,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch