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Eine weitere Strophenform zeigt das beliebte Tanzlied:
Nar schen langsam und stat
Wia der Bergerbne maht,
Von vornehmer Schönheit ist folgende Strophe: Und schen längsam gezogen
Daß die Fetzen seint gflogen.
Wer da Tänz kan
Gibt Tänz an,
Wer Geld hat
Zält aus. Wer a Diandle hat
Kän tänzn,
Wer kans hat
Bleibt zhans.
Vielfach hört man auch Lieder vom Strophenbau des folgenden:
Af der Ziggnln dobn
Häb is meine Felder,
Af der Goritschizen
Häb is meine Wälder,
Endlich noch die merkwürdige Strophe:
Gestern af di Nächt,
Gestern af di Nächt
Hät mi mei Diandle lanni gmächt,
Hennt in der Früa
Hennt in der Früa
Hat sie wieder glacht za miar, Von Pizzelstetten weg
Und Maria-Säl
Kern di Diandlan mein
Bis Ebental.
I abr nix,
I äbr nix
I häb nix gredt zan iar,
Weil sie göstern af die Nacht
Göstern af die Nacht,
Mi launi hat gmacht.
Den didactischen Theil der Dichtung des Volkes bei den Deutschen Karntens
repräsentireu die Sprichwörter („Spruch", „Sprüchlau"). Wie er den Witz liebt, welcher
trifft und sticht, so hat der Bauer auch eine starke Vorliebe für das Sentenziöse der
Rede. Dieser Neigung kommt nun der Dialect mit seiner Eigenart, namentlich durch die
Kürze und Bildlichkeit des Ausdrucks entgegen. Das Zusammentreffen dieser beiden
Umstände begünstigt das Entstehen zahlreicher Sätze, welche öfter unter Anwendung eines
glücklichen Bildes, fast immer aber mit epigrammatischer Schärfe irgend eine Erfahrung
des Lebens zum Ausdruck bringen. Das Treffende des Bildes, die Richtigkeit des
Erfahrungssatzes brechen dem Worte rasch überall Bahn, es geht bald von Muud zu
Mund und wird auf diese Weise zum Spruche.
Die Menge dieser „Sprüchlan" zählt nach Hunderten. Man findet alle Arten des
Sprichworts darunter, jene nicht ausgenommen, welche man die apologetischen nennt,
wenn diese auch nur zu den selteneren gehören.
Aus dem großen Schatze dieser deutsch-kärutuischeu Volkssprichwörter seien einige
der besonders charakteristischen hervorgehoben. Zunächst einige aus der Gruppe der
apologetischen: I schwärz, du schwärz, hät der Teufel gsägt, wia er in Kohlbrenner hat
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch