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ausprägen, nicht für geeignet erachteten, um sie für die Kunstchronik festzuhalten, vielleicht
auch darum, weil Käruteu an schöpferischen Fachmusikern thatsächlich auffallend arm ist.
Es sind allerdings Spuren vorhanden, daß Minnesänger das Land durchzogen haben, und
ein günstiges Territorium fand sich bei dem Bestände so vieler Rittckbnrgen ja vor
(Heinrich von Osterdingen sogar soll auf seiner Romreise in Friesach übernachtet haben);
auch Meistersänge? hatten sich auf protestantischem Boden seßhaft gemacht, — doch mit
diesen und einigen sagenhasten Daten schweigt die Geschichte über Kärntens Musik-
Urzustände. Erst nachdem das Land mit Baiern in Fühlung getreten war, und noch mehr,
nachdem die Franzosen nach mehrmaliger Occnpation im Jahre 1815 für immer von
Kärnten Abschied genommen hatten, begann das Musikleben aufzublühen. Während sich
z. B. früher nur noch kirchliche Musik, weil von der Geistlichkeit propagirt, erhalten
konnte, wurde von nun an auch die weltliche wieder gefördert. Als eifriger Pfleger der
letzteren wird zunächst Fürst Ferdinand Porcia in Spital genannt. Das Benedictinerstist
in St. Paul und dessen Colonie in Klagenfurt haben sich anderseits um die Kirchenmusik
nicht unerhebliche Verdienste erworben. Nicht unerwähnt mögen die eigenartigen lang-
gedehnten Weihnachts- und Neujahrsgesänge bleiben, die vornehmlich im Möll-, Lieser-
und Lavantthal gediehen, einen balladenartigen Charakter besitzen und hin und wieder
jetzt noch, allerdings höchst selten, wie einst üblich in Verbindung mit scenischen
Darstellungen zum Vortrag gelangen.
Zu Ausaug dieses Jahrhunderts, das als die Ära des Vereinslebens gelten kann,
entstanden nach dem Muster großer deutscher Städte auch in den Provinzen Musiker-
verbindungen und als eine der ersten unserer Monarchie kann der „Musikverein in
Klagenfurt", der im Jahre 1828 gegründet wurde, bezeichnet werden. Diese Körperschaft
schuf sich zunächst ein Repertoire deutscher Tonheroen: Mozart, Haydn, Beethoven,
Schubert fanden begeisterte Pflege. Schon vor der Gründung des Musikvereins bestand
in Klagenfurt eine Gesellschaft von Dilettanten, die Josef Haydns „Schöpfung" knrz
nach ihrer Vollendung zur Aufführung brachte.
Der schon in den Vierziger-Jahren nach Italien gravitirende musikalische Geschmack
machte sich auch in einzelnen Theilen Kärntens bemerkbar; man sang nicht ungern hin und
wieder eine wälsche Arie. In der Landeshauptstadt selbst wurden sogar von Dilettanten
aus deu vornehmsten Gesellschaftskreisen wiederholt italienische Opern zur Aufführung
gebracht, unter anderen ,1>a Ltrunieru- von Bellini nnd „Belisar" von Donizetti.
Dem kärutnischen Adel kann die Anerkennung nicht versagt werden, zur Hebung des
Musiklebens, wie zur Veredlung des künstlerischen Geschmacks wesentlich beigetragen zn
haben. Die Salons der Egger, Porcia, Rainer, Moro und vieler Anderen waren die
Sammelstätten hervorragender einheimischer wie fremder Künstler. In diese Zeit des
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch