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ebensowenig wiedergeben lassen wie beispielsweise der Schlag der Wachtel. Die Kärntner
Lieder unterstehen der Alleinherrschaft des Dreiviertel-Taktes, lassen sich in zwei bis drei
aus je vier Takten bestehende melodische Phrasen zergliedern und gehören beinahe durch-
wegs den Dur-Tonarten an.
Der dem Kärntner Lied mitunter angehängte Jodler soll, wie alte musikkundige
Karnuten behaupten, nicht bodenständig, sondern aus Westen importirt worden sein. Man
wird kaum irregehen, wenn man annimmt, daß die Entstehung der erwähnten eigenartigen
Singweise, daß nämlich die melodieführende Stimme unter einer harmonischen liegt,
ebenfalls auf die Allgemeinheit der Sangeslust in Kärnten zurückzuführen ist. Die Mädchen
wollen auch mitsingen. „Die große Mehrzahl der Kärntner Lieder handelt vom Lieben",
schreibt Wölwich, „darf man sich da wundern, wenn singende Burschen ihre „Dirndlan"
mit iu die Gesellschaft hineinzogen und gemeinschaftlich mit letzteren sangen? Naturgemäß
konnte man aber die Mädchen nicht vorsingen lassen, das hätte sich mit ihrer Verschämtheit
nicht vertragen. Also mußte man ihnen eine begleitende Stimme zuweisen. Diese aber
mußte wieder naturgemäß höher liegen und aus diesem Grunde konnte der Vorsänger
wieder nur ein Bariton sein."
Daß die Namen der Autoren der vielen im letzten Halbjahrhundert entstandenen
Kärntner Lieder verschwiegen bleiben konnten, wiewohl diese ab und zu bereits durch den
Druck vervielfältigt wurden, liegt in der Bescheidenheit des Kärntners, der nicht als
Komponist glänzen will, sondern neue Weisen ersinnt, um sie selbst zu singen. Beweis
dessen ist, daß fast alle Erfinder von Kärntner Weisen auch als vortreffliche Sänger bekannt
waren, beziehungsweise noch sind.
Obwohl bereits im Jahre 1828 von der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
eine Sammlung von Volksliedern aus allen österreichischen Kronländern ausgeschrieben
wurde, kauu, da über die praktische Verwerthung wenig ins Volk gedrnngen ist, als die
erste und werthvollste Kärntner-Lieder-Sammlung die von Baron Edmund Herbert vor
circa drei Decenuieu edirte bezeichnet werden. Für eine Singstimme mit Clavierbegleituug
eingerichtet, erschien sie in zwei Heften. Franz Decker hat die Sammlung später auf fünf
Hefte fortgesetzt. Ferner erschienen Arrangements für Männerchor von Johann Reiner,
Metzger, Köstinger, Weinwurm und Anderen.'
Die weiteste Verbreitung fanden unstreitig die (1864) von Johann Herbeck für
Männerchor harmonisirten drei Weisen: „Dirndle tiaf drnnt' in Thal", „Lippitzbach is
ka Thal" und „I thua wohl". Sie haben die Runde durch Deutschland gemacht und
werden auch von den deutschen Sängern jenseits des Oceans gerne gesungen.
' A n m e r k u n g der Redac t ion . Der Verfasser dieses Aufsatzes hat eine Anzahl echter Kärntner Lieder
gesammelt und zahlreiche Lieder in der Kärntner Volksweise selbst componirt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch