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In den Gewässern des Millstatter Sees spiegeln sich die umfangreichen alternden
Gemäuer des Salvatorklosters Millstat t . Gegründet von Aerbo und Poto, Söhnen des
Pfalzgrafen Hartwig, Grafen im Nordgan, Salz- und Traungau, und der sächsischen
Fr iedrun, im Jahre 1087, wurde es 1122 unter den unmittelbaren Schutz des
römischen Stuhles gestellt. Nach einem Brande des alten Münsters soll 1289 Abt Otto
einen größeren Neubau begonnen haben; thatsächlich zeigt der jetzige Bau die Formen
verschiedener Jahrhunderte und besagt z. B. die Aufschrift am Tympauou des Westportals,
daß ein „Abt Heinrich" im Jahre 13 l0 mit Rndger dies Portal gemacht hat. Auch hier
findet sich die Vorhalle zwischen zwei Westthürmen, deren Untergeschoße ursprünglich nach
außen offen waren. Das Portal, welches von der Vorhalle in die Kirche führt, ist an
seinen vier Säulenpaaren, den Rundbogen und Wandabstufungen mit reichem romanischen
Ornament versehen. Fratzenhafte Menschenfiguren dienen als Säulenträger und an den
gewundenen Säulen des Thürstockes hocken Löwen als Wächter. Das Innere ist einfach
und nüchtern, aber weiträumig. Ohne Querschiff schließen die drei Schiffe in gleicher
Linie mit den drei Seiten des Achtecks, doch scheinen diese Abschlüsse jüngeren Datums
zu sein. Das jetzige Netzgewölbe mit den vielen Wappenschildern stammt vom Jahre 1516.
Am meisten zieht uns der Kreuzgang an, einer der wenigen, die aus der frühromanischen
Periode erhalten blieben. Er bildet an der Südseite der Kirche ein verschobenes Viereck
von circa 32 Meter Länge und 24 33 Meter Breite. Arkadenfenster, durch Zwergsäulen
getheilt, mit phantastischen, stets wechselnden Capitälbildnngen spenden dem Kreuzgange
spärliches Licht. An dem leider nicht mehr im ursprünglichen Zustand befindlichen Portal,
das vom Kreuzgange in die Kirche führt, drängen sich zu beiden Seiten die absonderlichsten
Figuren zu den Sockeln und Gewänden des Eingangs. Das Gewölbe des Kreuzganges
und einige Malreste stammen aus gothischer Zeit. Ursprüuglich ein Benedictinerkloster,
war es seit 1468 der Sitz der Georgsordensritter; seit 1598 bewohnten es die Jesuiten,
jetzt dient der Münster als einfache Pfarrkirche. Zwei Hochmeister, Siebenhirter und
Geumann, erhielten Grabkapellen, deren erstere den Kreuzgang unterbricht. Vou Interesse
sind die zum Theil wohl erhaltenen Befestigungen aus der Zeit der Georgsritter uud ein
bedeutsames Freskogemälde an der Stirnseite des Münsters.
Romanische P ro fan bauten. Der bedeutendste Überrest romanischer Profan-
architektur ist das Schloß Petersberg in Friesach mit seinem mächtigen Donjon.
Außerdem finden sich in Friesach selbst, in Klagenfurt, St. Veit uud einigen Bürgen des
Landes zerstreute Reste romanischer Bauformen, aus welchen ein Schluß auf früher
Bestandenes gezogen werden kann.
Die Kirche St . Leonhard im Lavantthal (46 61 Meter lang, 20 06 Meter
breit) zeigt eine dreischisfige Anlage mit überhöhtem Mittelschiff, welches mit einem im
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch