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Viehzuchtproducte jährlich mit rund 11 Millionen Gulden beziffert. Zur Ausfuhr gelangen
Prodnete im Werthe von 4 bis 5 Millionen Gulden.
Die Pferdezucht liefert zweierlei Material: das uorische Lastenpferd und den
Gestütschlag. Ersteres in ganz Oberkärnten, dem Gebiete der Tauern, dann der Kor- und
Sanalpe einheimisch, unterscheidet sich von dem eigentlichen „Pinzganer" dadurch, daß es
„gängiger" ist, eiue Eigenschaft, die es der, wenn auch geringen Einmischung spanischen
Blntes, deu Pferdestämmeu Sacromoso und Generale verdankt. In Unterkärnten wird
der schwere Gestütschlag gezüchtet uud liefert derselbe sogenannte Carossiers, vorzügliche
Dienstpferde für Heer und Wirthschaft, und sind es namentlich diese letztereil, welche, viel-
fach nach Italien ausgeführt, daselbst deu Ruf des „Kärntner Pferdes" begründeten.
Aufgezüchtet werden im Lande verhältnißmäßig nur wenige Fohlen; die meisten uud
besten werden gelegentlich der Michaeli-Herbstmärkte von fremden Händlern angekauft uud
außer Landes geführt.
Die Rindviehzucht des Landes ist im Besitze zweier Racen. Die eine, das
norische oder Lavautthaler Rind, charakterisirt durch lichtes Pigment, weiße bis semmel-
gelbe Haarfarbe und große Körperformen, beherrscht das Unterland, wogegen das
Möllthaler Vieh in Oberkärnten gezüchtet wird und dermalen bereits nach Mittelkärnten
vorgedrungen ist. Ersteres ist zweifellos bereits von den bajuvarischeu Eiuwaudereru
nach Kärnten gebracht worden, gleicher Abstammung wie das Frankenvieh und gehört
zur weit verbreiteten Familie des „mitteleuropäischen Blondviehes"; die Möllthaler
dagegen sind erst in den letzten fünfzig Jahren aus dem einheimischen kleinen Gebirgsschlage
von uuausgeprägtem Typus durch Kreuzung mit Pinzganern entstanden. Sie gehören
zur Familie des alpinen Fleckviehes und zeichnen sich durch Genügsamkeit, Frühreife und
Milchergiebigkeit aus, wogegen das uorische Rind durch seine Körpergröße, Mastfähigkeit
und dnrch die ausgezeichnete Qualität des Fleisches hervorragt.
Die Schafzucht findet ihre natürlichen Bedingungen in dem wasserarmen Gebiete
der Kalkalpen und in den höheren Urgebirgslagen, dort, wo das Rindvieh nicht mehr
aufsteige» mag. Hervorragend ist das Seeländer Schaf — ein Abkömmling des
Bergamasker Alpenriefenfchafes — durch seine Körpergröße uud Fruchtbarkeit; das
Gurkthal züchtet eiu altes deutsches Landschaf, wogegen in den höchsten Lagen, am Fuße
des Großglockuer, das kleine, meist scheckige Steinschaf uud in der Gegend von Raibl
das dunkelbraune Flitscher Melkschaf weidet. Die großsormigen Schläge finden oft erst
nach langen Wanderungen ihre schließliche Verwerthung auf den Schafmärkten zu Paris.
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist die Schweinezucht, da sie den
größten Theil des heimischen Fleisch- und Fettbedarfes deckt und ihre Erzeugnisse einen
Productiouswerth von 4 Millionen Gulden jährlich darstellen. Gezüchtet wird vorwiegend
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch