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wurde der Bleibergbaubetrieb doch hierdurch bei weitem nicht so geschädigt wie der Gold-
bergbau. Im Jahre 1749 begann das Ärar sich an dem Bergbau zu betheiligen und
unter der hohen Schutzfrau des Bergwesens, der Kaiserin M a r i a Theresia, kam neues
Leben in den Betrieb, — ein Umschwung zum Günstigeren, welcher anch unter den
Nachfolgern der großen Kaiserin andauerte. Geradezu epochemachend für die Zukunft des
Bleiberger Bergbaues war die Anlage des Kaiser Leopold-Erbstollens im Jahre 1795. Als
im Jahre 1868 der ärarische Antheil an die Bleiberger Bergwerksunion verkauft wurde,
mußten im Interesse eines ökonomischen Bergbaubetriebes namhafte Bauten ausgeführt
werden, welche dem Unternehmen den schweren Kampf gegen das bald eintretende Sinken
der Bleipreise ermöglichten. Der Kaiser Leopold-Erbstollen wurde bisher auf eine Länge
von 4 9 Kilometer fortgeführt, der Rndolf-Schacht abgeteuft und so auch das östliche
Bleierzrevier in der Erbstollensohle aufgeschlossen.
Das Alter des Naibler Bleibergbaues ist nicht genau zu bestimmen, wohl aber
werden die Bleigruben des Mieß- und Jannthals schon im XII. und XIII. Jahrhundert
genannt. Die vieleu Pingen auf der Petzen, die alten Bleischlacken bei Feistritz weisen auf
bedeuteudeu Bleibergbau in alter Zeit hin, von welchem auch das nahe Bleiburg seineu
Namen hat. Heute ist der bedeutendste und lohnendste Bleibergbau Uuterkärntens in Mies.
Auch in der Schäffler- und Grafensteiner Alpe am Obir werden Bleierze gewonnen und
aufbereitet, um iu Eiseukappel verhüttet zu werden. Am Singerberg wird der Bleibergbau
Wiudisch-Bleiberg betrieben.
Wie für das Eisen der Hüttenberger Erzberg, so ist für das Blei der Bleiberger
Erzberg der eigentliche Mittelpunkt des kärntnifchen Bleierzvorkommens. Im östlichen
Reviere (Bleiberg) ist die Erzanssüllung lagergangartig in Gangspalten, Kreuzklüfteu,
und Schichtungsflächen vertheilt uud wechselt in der Mächtigkeit von 0 1 bis 0 5 Meter.
Im westlichen Reviere uud Kreuth siud es ganz unregelmäßige Hohlräume, welche nach
bestimmten Schichten verlaufen, bisweilen aber auch „überspringen"; sie haben die Form
von Wülsten und Gnoden in der Größe von 50 bis 100 Quadratmeter. Die Lager-
stätten fallen sehr steil nach Südost ein. Zwischen dem Ost- und Westrevier existirt eine
Verwerfungsspalte, hinter welcher die Lagerung um 30 Grad gehoben und gedreht erscheint.
Der stollenmäßige Einbau in dem höheren Horizont ist längst in den schachtmäßigen
unter der Thalsohle übergegangen und wurde in Kreuth bereits die namhafte Tiefe von
nahezu 400 Meter erreicht. Das Gebirge ist sehr „staudhaft" uud macht den Abbau
mit geringem Holzverbrauche möglich. Die Förderung und Wasserhaltung besorgen
Wassersäulenmaschinen, Wassertouueuaufzüge, Turbinen und fnbsidiär Dampfmotoren.
Das geförderte Erz wird durch Handscheidung, Siebsetzen und mittels Maschinen auf
eiueu Bleigehalt von 70 Procent angereichert uud daun in den Bleiberger Flammöfen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Volume 8
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Kärnten und Krain
- Volume
- 8
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.41 x 23.03 cm
- Pages
- 532
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch