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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Volume 9
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591 vielerlei Richtungen der Windrose hier zusammengefunden haben, so möchte man glauben, die Nachkommen müßten gleichfalls demokratisch-kosmopolitisch gesinnt sein. Dies ist jedoch durchaus nicht der Fall, vielmehr fühlt das Volk gewissermaßen aristokratisch und hängt an seiner neuen Heimat; selbst wer sich nicht als Magyaren bekennt, ist immer stolz auf den Namen eines „Bäcskaers". Er ist überzeugt, daß kein Mensch auf Erden einen solchen Boden, solche Pferde, solches Vieh hat, und darin wird er noch bestärkt durch das Stauneu seiner Sippen aus Deutschland, die ihn znweilen besuchen, und durch die vielen Fremden, welche, besonders der Pferdekäufe halber, dort verkehren. Die allgemeine Wohlfahrt macht die Bäeska zu eiuem wahren Bauern-Eldorado. Schon in älterer Zeit war dies der Fall, denn von Anfang an hatte dort das Bauerngut die Mehrheit und die gutsherrlichen Verhältnisse gestalteten sich ganz anders als sonstwo. Mit Ausnahme der ungeheuren freien Ländereien der Städte, war im größten Theile des Comitats das väterlich waltende Ärar Gutsherr; eiue richtige Leibeigeueu-Frohue sah dieses Volk nur bei den Bewohnern einiger größeren Herrschaften und ganz weniger Compofsefsorate. In der Bäeska sucht der Fremde auch jetzt vergebens das Schloß des Gutsherrn, das in anderen Gegenden den Dörfern häufig als Schmuckstück dient. Nur hier und da finden sich an den Herrschaftssitzen ein paar verfallende herrschaftliche Gebäude aus dem vorigen Jahrhundert; den Schmuck der Dörfer bilden die Kirchen, ihre schönsten weltlichen Gebäude sind die Gemeindehäuser und Schulen. Übrigens wohnen in der Bäcska Herr und Bauer am liebsten draußen auf ihrem „Szalläs", wie hier die Tauya (Gehöft) genannt wird. Dort hat Jeder sein Feld und Vieh, alles Hab und Gut, dort fühlt er sich wirklich heimisch und kehrt nur als Gast iu der Stadt ein, vou der er oft stundenweit entfernt wohnt. Dort draußen hat auch die Herrenclasse nur ein einfaches Haus, meist nur mit Lehmziegelwänden nnd Rohrdach; blos die bequemere Einrichtung, die größeren Pferde- und Rinderherden und die Meuten von Jagdhunden lassen erkennen, daß da kein Bauer haust. So günstig nun aber dieses Leben auf dem Szalläs für die Landwirthschaft ist, so hinderlich ist es für den regelmäßige» Schulbesuch. Die Deutschen schicken ihre Kinder am eifrigsten zur Schule, die Schokatzeu und Serben am lässigsten. Den letzten Jahren dankt man jedoch auch darin einen angenfälligen Fortschritt. Noch im Jahre 1870 gab es auf dem Gebiete des Comitats nicht mehr als 489 Lehrsäle und 468 Lehrer; zwanzig Jahre später sind diese Zahlen gerade verdoppelt und es gibt jetzt sogar auf den Szälläfen schon 71 Lehrsäle. Und auch die Zahl der Volksschulen und Kinderbewahranstalten nimmt stetig zu, weil Gemeinden und Einzelne mit opferwilligem Eifer bestrebt sind, das Erziehnngs- nnd Unterrichtswesen zu entwickeln.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Volume 9
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (2)
Volume
9
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1891
Language
German
License
PD
Size
15.56 x 21.98 cm
Pages
682
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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