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und Chiapovano (Üepovan) des Bezirkes Görz werden, hauptsächlich zur Winterszeit,
Eisennägel, Messer und ordinäre Holzwaaren, in Prebacina Korbflechtereien angefertigt.
Anfänge einer Spitzenklöppelei als Hausindustrie finden sich in Dol, Otelca, Chiapovano
und Soca.
Guten Loden für den Hausgebrauch webt man in verschiedenen Dörfern des
Karstes; auch Holzschuhe werden hier und da angefertigt. Gewerbsmäßig wird zu Görz
und Cormons die Tischlerei betrieben, deren Erzeugnisse ins Ausland gehen und dort
guten Ruf genießen. Bemerkenswerth ist noch die Herstellung von Peitschenstöcken aus
dem zähen Holze des Zürgelbaumes (Lsltis auswalis I..), welche bis Böhmen, Ungarn und
Rußland gehen.
Den Sommer über wandern viele unserer Frianler als Maurer in die Fremde. Die
Mischer bestellen im Sommer ihre Felder, ziehen aber in den übrigen Jahreszeiten als
Hansirer mit Tuch, Galauteriewaareu und dergleichen mehr herum. Das ganze Jahr
hindurch übt Trieft seine Anziehungskraft auf die benachbarten Landgemeinden ans, deren
Bewohner dort als Fuhrleute, Steinmetze, Pflasterer, Maurer, auch als Lastträger und
Handwerker lohnende Beschäftigung finden.
Die herrlichen Gärten von Görz geben Zeugniß von dessen mildem Winter, welcher
viele Fremde veranlaßt, während der kälteren Jahreszeit hier Aufenthalt zu nehmen. Im
Seebad zu Grado finden alljährlich viele fkrophnlöse Kinder, welche weither, auch aus der
Reichshauptstadt kommen, Stärkung uud Genesung. Viel besucht ist die heilsame Schwefel-
therme von Moufaleone.
Der Handel dient zumeist dem Localbedarf oder vermittelt die Ausfuhr der Landes-
producte. Die hauptsächlichen Absatzgebiete der Jndnstrieerzengnisse des Landes wurden
schon erwähnt. Seidencocons und Hornvieh werden auf den Märkten zumeist für Italien
angekauft, Obst, Frühgemüse und conservirte Fische nach dem Norden, Dörrobst bis nach
Amerika, Wein nach Krain, Trieft und Venetien, Snmach nach Trieft versendet. Die Nähe
der Reichsgrenze begünstigt in der Stadt Görz den Speditionshandel, während der Groß-
handel von dem nahen Trieft an sich gezogen wird.
Als Hauptverkehrsader, besonders für den Durchzug, dient die Südbahn, welche das
Land in einer Strecke von 53 Kilometern durchläuft. Das Straßennetz entspricht dem
Bedürfniß, die Flußschiffahrt ist unbedeutend. Die Meeresküste, welche in einer Länge
von mehr als 38 Kilometer entwickelt ist, leidet Mangel an guten Häfen. Die vorhandenen
dienen dem Verkehr der Küstenfahrer und der Fischerboote. Derselbe nimmt seine Richtung
zumeist nach Trieft, wohin frische Fische und Bausand, und nach Jstrien, wohin aus den«
Hafen vou Cerviguauo Mehl gebracht wird, welches auf den dortigen Mühlen erzeugt ist;
eingeführt wird zur See Salz aus Jstrien.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch