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Wer die Entwicklung unseres Seewesens aufmerksam verfolgt und den Zustand
desselben mit jenen vergangener Epochen vergleicht, sieht allwärts die Wahrzeichen eines
sorgfältigeren nud planvollen Wirkens. Durch die zweckmäßige Organisation der See-
verwaltung, durch die Aufmerksamkeit, welche mau der Verbesserung der Häfen zuwendete,
hat der Verkehr an Sicherheit uud Lebhaftigkeit gewouueu. Vou der Thätigkeit auf dem
Gebiete des Hafeubauweseus, zumal von jener während der letzten dreißig Jahre gibt die
ganze Küste Zeugniß. Wir möchten hier nur des wichtigsten Werkes, uämlich des Hafenbaues
in Trieft gedenken.
Der Triester Hafen zeigte sich trotz mancher im Laufe unsers Jahrhunderts
getroffener Vorkehrungen nmfoweniger den steigendeu Verkehrsbedürfnissen entsprechend,
als es an der direkten Verbindung zwischen Schiff und Eisenbahn fehlte. Die schon lange
in Aussicht genommene Aufhebung des Triester Freihafens machte als vorbereitende
Maßregel überdies die Schaffung neuer Hafenanlagen nöthig, welche für das künftige
Freigebiet benützt werden konnten. Auf Gruud vielfacher und eingehender Studien wurde
die Anlage des neuen Hafens an jener Stelle beschlossen, wo sich bis dahin das Theresieu-
Lazareth befunden hatte, also nördlich der bestehenden Hafenanlagen in der Richtung
gegen Barcola. Bei dem Projeet hatte man einen zweifachen Zweck vor Augen: die
Herstellung einer größeren Anzahl von geschützten Lagerplätzen und die Gewinnung vou
Terrainflächen, auf denen die für die Lagerung nud Manipulation der Güter erforderlichen
Baulichkeiten untergebracht werden konnten. Es mangelte nämlich an Terrain, da gerade
am Nordende des alten Hafens die Berglehne, an welcher die Eisenbahn emporsteigt, sich
nahe dem Ufer erhebt. Man mußte das Terrain erst dem Meere abgewinnen, und dies hatte
zur Folge, daß der eigentliche Hafen seewärts vorgeschoben wurde. Dieser Hafen begreift
drei große Moli in sich, welche zwei Hauptbassins bilden, ferner ein drittes kleineres, uahezu
geschlossenes, welches im ursprünglichen Projeet nicht vorgeseheu war, sondern erst während
des Baues aus dem Gründe in Angriff geuvmmeu wurde, weil die starke Petroleum-
eiufnhr aus Amerika über Trieft es unumgänglich nothwendig machte, für Schiffe mit
einer so außerordentlich feuergefährlichen Ladung einen völlig abgesonderten Raum zu
schaffen. Ein mächtiger Schutzdamm in der Länge von 1.090 Meter deckt die ganze Anlage
gegen die der Triester Rhede besonders gefährlichen Winde aus West und Südost. Der
Ban wurde 1867 begonnen und 1881 vollendet. Die Ausführung geschah auf Staats-
kosten mit einem Aufwand von 13'/? Millionen Gulden durch die Südbahugesellschast,
welcher die Bauarbeiteu übertragen worden waren.
Durch den Bau wurde eine fast durchwegs dem Meere abgeruugeue Gefammtfläche
von 29 Hektar gewonnen, welche man für commereielle Aulagen verwerthen konnte. Die
Moli haben eine Breite von 80, der eine sogar von 93 Meter bei einer Länge von
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch