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Die Fischereiverhältnisse im Rüstenland.
Von dem höhleureichen Karstgebirge, welches die Bucht von Trieft umrahmt, bis
weit iu den Süden zu den buchtenreichen Gestaden Dalmatieus bietet die Adria eine lange,
für die Zwecke der Fischerei günstige Küsteuausdehuung. In Jstrieu sind namentlich die
Buchten von Muggia, Sicciole bei Pirauo uud der Kanal di Leme geschützte, für die
Ausübung der Fischerei günstige Örtlichkeiten. Man sollte daher glauben, daß an einer
solchen Küste sich eine zahlreiche Fischerbevölkerung und ein wohl entwickeltes Fischerei-
wesen vorfinde. Es ist dies aber uicht der Fall, wir treffen vielmehr nur einzelne Sitze
einer lebhafteren Küstenfischerei, wie z. B. Jsola, Pirano und Rovigno. Diese Erscheinung,
die sich auch au den Küsten anderer Meere wiederholt, hängt weniger von der Örtlichkeit,
als vou den allgemeinen Erwerbsverhältnissen ab. Wo Mangel an Erwerbsgelegenheit ist,
dort werfen sich die Küstenbewohner ans die Fischerei. Das auffallendste Beispiel dieser
Art ist die veuetianische Fischerstadt Chioggia, die an der viel ungünstigeren, wenig
geschützten Ostküste Italiens gelegen, sich nichtsdestoweniger zum ersten Fischereiemporinm
der Adria aufgeschwungen hat.
Daß unsere Küstenbewohner bei der Strandfischerei geblieben sind, hat seinen
Grund in den vielen geschützten Buchten, woselbst ohne größere gedeckte Fahrzeuge gewisse
Zweige der Fischerei ausgeübt werden können. Auch zog der für die Landwirthschaft
günstige Boden der Küsten von der Fischerei ab. Die Seefischerei bleibt stets ein unsicheres
und mühevolles Gewerbe, da günstige, ausgiebige Fischzüge von zufälligen Umständen
abhängeil. Die Mehrzahl der Küstenbewohner hat es daher vorgezogen, sich der Land-
wirthschaft, dem Wein- uud insbesondere dem Ölbau zu widmen, die Fischerei dagegen
nur als Nebenerwerb zu betreiben. Es wird in manchen Publicationen über Seefischerei
geklagt, daß dieselbe au unseren Küsten darniederliege und der Bevölkerung geringen
Gewinn einbringe. Zugleich wird auf das großartige Fischereiwesen anderer Nationen,
namentlich der Nordamerikaner, Holländer und Franzosen hingewiesen, sowie ans die
großen Summen, welche diese Staaten znr Hebung und Vervollkommnung desselben
verwenden. Ein solcher Vergleich ist indeß nicht zutreffend. Es ist zu beachten, daß die
weiten Flächen des atlantischen Oceans und der Nordsee von gewaltigen Mengen gesellig
lebender Wanderfische, von Schellfischen nnd Häringen bevölkert sind. Die Fischerei im
Mittelmeer wird mangels der genannten Fischarten, nainentlich des Schellfisches (Kabel-
jaus, Stockfisches), diese Bedeutung nie erlangen können.
Nnr der Thunfisch, die Makrele, die Sardelle und die Anchovi, die im Mittelmeer
vorkommen, gestalte» die Fischerei noch einigermaßen gewinnbringend, können aber im
conservirten Zustand nicht jene allgemeine Verbreitung als Volksuahrungsmittel erlangen
Küstenland und Dalmatien. 22
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch