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Stolz ragen die Masten und Schlote unserer mächtigen Kriegsschiffe im gesicherten
Hafen Polas. Das Arsenal der Kriegsmarine und die Oliveninsel bergen nebst deu zahl-
losen Ausrüstuugsgegeustäudeu einer Flotte alle jene Hilfsanstalten und Maschinen, welche
erforderlich sind, um die Seemacht des Staates möglichst rasch in Dienst zu stellen. Dächer,
von luftiger Eiseueoustruction getragen, schützen die zwei großen Werftstapel der Oliven-
insel, auf welchen mehrere unserer Kriegsschiffe, darunter das erste österreichische Linienschiff
„Kaiser", erbaut wurden. Vor kurzem gelangte daselbst das gewaltige Thurmschiff
„Kronprinz Erzherzog Rudolf" zur Vollendung. Zwei Trockendocks uud ein Balancedock
sind zur Ausnahme ausbesserungsbedürftiger Schiffe, das eigenartige Werkstättenschiff
„Cyclop" aber dazu bestimmt, die einer operirenden Flotte dnrch Gefecht oder Sturm
zugefügten Schäden sogleich auszubessern. Dienen die technischen Anstalten der k. und k.
Kriegsmarine in Pola ausschließlich den eigenen Zwecken, so lieferte die größte Privat-
werfte Jstriens, jene des „Ltakilimento teemec, triestino" in S. Roeco bei Mnggia nicht
nur eiue stattliche Reihe vou Schiffen für Österreichs Seemacht, sondern auch fremden
Kriegsmarinen (Griechenland, Rumänien, Argentinien), sowie Dampfer und Segelschiffe
für Handelszwecke. Ausschließlich commereielleu Zwecken gewidmet sind die übrigen Schiffs-
werften Jstriens, uuter welchen jene von Lnfsinpiccolo weitaus deu ersten Rang einnehmen.
Daselbst wurden vou 1853 bis jetzt mehr als 250 Segelschiffe weiter Fahrt mit über
100.009 Tonnen Tragfähigkeit neu gebaut. Unsere Handelssegelmarine befindet sich jedoch
seit 1875 in stetem Rückgang, welcher auch die Thätigkeit unserer Schiffswerften auf das
empfindlichste berührt. Die österreichische Rhederei kauu aus den veralteten hölzernen
Hochseesegelschiffen das auf neun Millionen Gulden veranschlagte Anlage-Capital nicht ohne
die schwersten Verluste sogleich herausziehen, um es zum Bau solcher Schiffe zu verwenden,
die dem Rheder heute uoch lohueude Verweuduug gestatten, wie Dampfer nnd große eiserne,
zu trausoceauischen Reisen geeignete Segelschiffe. Daher wurden in Lnssinpiecolo seit 1885
nur mehr 27 Schiffe mit zusammen 3.123 Tonnen gebaut, darunter nur drei (eiserne)
Hochseeschiffe. Ju gleicher Weise geht die Bauthätigkeit der übrigen Werften Jstriens —
Capodistria, Pirano, Rovigno, Jka, Volosca, Cherso, Lnssingrande — zurück. Auch sie
bereicherte» unsere Handelsflotte von 1853 bis 1884 um 185 Schiffe mit 38.402 Tonnen.
Seither aber dienen sie hauptsächlich zu Ausbesserungen; nur hier uud da wird zu eiuem
Küstenfahrer der Kiel gelegt. Ende 1890 besaß die istrische Rhederei uoch 2.270 Schiffe
mit 40.858 Touueu Gehalt und 6.117 Main? Besatzung, doch waren darunter nnr
45 Hochseeschiffe, vou denen auf Lnssinpiecolo allein 34 mit 18.869 Tonnen entfallen.
Dem Rückgang des Schiffbaues und der Rhederei steht ein erfreulicher Aufschwung
in der Zubereitung conservirter Nahrungsmittel , insbesondere von Fischen gegen-
über. Die bedeutendste Unternehmung dieser Art befindet sich in Jsola. Aale aus der
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch