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Von den qnarnerischen Inseln ist Veglia ziemlich gut bewaldet, wenngleich die
Forstwirthschaft auch dort viel zu wünschen übrig läßt. Die herrschenden Holzarten sind
die weichhaarige (sommergrüne) Eiche uud die orientalische Weißbuche. Der 569 Meter
hohe Triskavae und das gegen den Canal della Morlacca abdachende Gehänge an der
Ostseite der Insel sind jedoch ganz kahl, weil die von dem gegenüberliegenden kroatischen
Kapella-Gebirge mit großer Vehemenz herabstürzende Bora, welche das Salzwasser ans
dem genannten Meereskanal aus die diesseitige Küste treibt, jede Vegetativ» vereitelt.
Auf den Inseln Chersv und Lnssin ist die forstliche Flora jener der dalmatinischen
Inseln gleich, indem immergrüne Lanbhölzer vorherrschen, von welchen die Stecheiche
(Ouercus ilex) das Oberholz, der Erdbeerbaum (^rdutus unecko), die Fillyree (pkillxreu
meckia), der immergrüne Schneeball (Viburnum tirws), der Granatapfelstrauch, die
Lriea arborea, der spanische Wachholder und andere der mediterranen Flora Angehörige
Sträucher das Unterholz bilden.
Die aus einem langgestreckten schmalen und beiderseits steil abfallenden Bergrücken
von 400 bis 600 Meter Seehöhe bestehende Insel Cherso besitzt zwar dem Steuerkataster
zufolge noch 9.495 Hektar Waldgrund (28 Procent der ganzen Fläche), die Bestocknng ist
aber eine derart lichte, daß kaum die Hälfte dieser Fläche als wirklich bewaldet angesehen
werden kann. Der größte Theil der Insel ist eine kahle, steinige Karstwüste, auf welcher
hier und da einzelne Bäume als Reste des ehemaligen Waldes stehen und den Schafen
als Schutz gegen Sonne und Unwetter dienen.
Die Ursachen der Verkarstnng dieser Inseln ist in der sogenannten Kopfholzwirthschaft
zu suchen, welche darin besteht, daß die Bäume im Turnus von 10 bis 12 Jahren geköpft,
das heißt des Gipfels und aller Äste beraubt werden, so daß nur ein wenige Meter hoher
Rumpf stehen bleibt, an dessen Abschnittsfläche sich wieder neue Zweige bilden, die nach
Verlauf der genannten Zeit neuerdings abgehackt und als Brennholz verkauft werden. Die
Waldbesitzer (Gemeinden uud Private) sind hierbei von der guten Absicht geleitet, das
Verbeißen des jungen Holznachwuchses durch das Weidevieh zu verhindern, da letzteres
(meist Schafe) Tag und Nacht, Sommer und Winter aufsichtslos auf der Weide gehalten
wird und der Abschluß der Schonungsflächen mit Mauern und Zäunen zu kostspielig wäre.
Diese Absicht wird zwar während eines gewissen Zeitraumes erreicht, führt aber unaus-
weichlich zum Ruin des Waldes, da die durch das periodische Abhauen der Kroue
beschädigten Bäume mit der Zeit kernfaul werden und endlich absterben, während die
wegen spärlicher Samenbildung ohnedies in geringer Zahl entstehenden neueu Holz-
pflanzen vom Weidevieh vernichtet werden. Man sieht daher, insbesondere auf Cherso,
große Strecken ehemaligen Waldlandes ausschließlich mit Kopfhölzern bewachsen, während
der Unterwuchs ganz fehlt. Nach dem Absterben dieser Bänme bleibt nnr mehr eine öde
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Volume 10
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Das Küstenland
- Volume
- 10
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.63 x 22.44 cm
- Pages
- 390
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch