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Welse, Hausen und Schulden, welche noch halb lebendig sind und das Manl aufsperren,
wenn schöne Hände mit dein gewaltigen Beile sie niu eine Schnitte kürzer machen.
Besondere Gourmands, Habitues des Casiuos, besitzen das Geheimuiß, wie man sich von
hochmüthigen Herrschaften aus der Fischerzunst in ihre ebenerdigen Häuser einladen lassen
kann zu einer gemüthlichen Fischsuppe, wo es dann nichts Anderes gibt als ungarisch
znbereitete Fische — und Champagner, nnd keine Toaste. Aber das können sich nnr
auserwählte Herren gestatten — Curiosnms halber.
So ist das Marktleben in Budapest. Es fehlt da der Aupreisuugslärm der Welt-
städte, jene förmlich in Noten gesetzte Reclame, von der in den Nachmittagsstunden die
Straßen von Paris und Neapel wiederhallen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte mau gewisse eigenthümliche Laute auf den
Straßen höreu: der Donanwafsermann schrie: „Donawooß!", der Hansirer dudelte mit
zittriger Stimme sein „Handleee", der Strohverkäufer rief die Gassen entlang sein „Stroh
kaft!", das Waitzuer Ölweib kreischte ihr (Öl), das Milchmädchen sang in die
Thorwege hinein: „Kafen's a Mili und an Obers!", der Soroksarer Bürger herrschte
uns mit Donnerstimme an: „Krnmpli kaft!" (ungarisch-deutsch für: kauft Kartoffeln),
das slovakische Mädchen sang melancholisch ihr: „Kafni Sooond!" (Kaufen Sie Sand),
der slovakische Glaser rief zu jedem Thor hinein: „Fenstr mok!" (Fenster machen) n. s. w.
Jetzt ist das Alles schon im Verschwinden begriffen, besonders ans der Pester Seite; wer
etwas zu verkaufen hat, lockt die Kunden nicht, denn er weiß, daß man es schon
holen wird.
Doch der Zauberstab wiukt, und das nämliche Bild steht vor nns, nur ins
Winterliche übersetzt. Dasselbe Publikum: Herrschaften und Taglöhner, jene in Petz-
röcken, die Hände in Muffs gesteckt, diese die Füße in Kotzen eingebunden, die Eisenschansel
in der Hand. Jeder betrachtet den Eisgang der Donau. Den unteren Quai hat die
Flut schou überschwemmt, die Lagerhäuser und die Wartesäle der Dampfschiffe siud bis
ans Dach in Wasser getaucht. Der herrliche Strom, in der Mitte fast convex geschwollen,
schießt zwischen den Ufern, die ihn zusammeupressen, wie der Wirbelwind dahin; oben bei
Preßburg, Komorn, Nagy-Maros und Waitzen hat er seine Eisbarrikaden schon hinweg-
gespült, unterhalb Budapests aber, bei Duua-Földvär, steht uoch eine meilenlange Eis-
stauung, welche die Flut aushält und den Strom innerhalb der Doppelstadt von Stunde
zn Stunde höher schwellt. Die Schleusen der Kanäle sind schon verstopft; nngethüme
Pumpen speien Ranch gen Himmel und Spülicht in die Donau hiuab. Auf den freien
Plätzen sind Kähne, eiserne Boote angehäuft, die als Rettuugswerkzeuge dienen sollen,
wenn es zur Überschwemmung kommt; daneben lagern Feuerwehrleute, Poutouuiers iu
voller Ausrüstung. Zu solcher Zeit ist die Touau eine furchtbare Macht! Ganze Eisfelder
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch