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Dieser Aufruf und die ihm folgenden unermüdlichen Bemühungen des Grafen Emil
Dessewffy hatten einen außerordentlichen Erfolg. Er ließ etwa 3.000 Snbscriptionsbogen
in das Land ausgehen, begleitet von Aufforderungen, die den Zweck der Unterschriften
und Spenden erläuterten. Er wandte sich theils persönlich, theils brieflich an die Mit-
glieder des Herrscherhauses, an den daheim oder auswärts wohnenden Hochadel und
andere wohlhabende Patrioten, so daß Spenden für die Zwecke der Akademie bald als
beredteste Äußerung des Patriotismus galten. Seine Majestät der König (mit einem Beitrag
von 15.000 Gulden), dann alle Schichten der Nation, die Bewohner der Paläste, wie der
einfachen Bürgerhäuser und Hütten, Einzelne und Körperschaften, Eomitate, Städte und
kleinere Gemeinden, alle beeilten sich, ihre Gaben auf den heiligen Altar der nationalen
Sache niederzulegen. Ein Jahr genügte, um das Grundcapital zu verdoppeln und ungefähr
400.000 Gulden kamen für den Palastbau zusammen. Auch seither hat die Theilnahme
und Opferwilligkeit der Nation für ihr wichtigstes wissenschaftliches Institut nicht abge-
nommen und spätere Stiftungen (darunter namentlich die des Baron Simon Sina, Georg
Zsivora und neuestens die 100.000 Gulden-Stiftung Andor Semseys, aus welcher zehn,
das Land und die Nation Ungarns behandelnde wissenschaftliche Preisschriften mit je
10.000 Gulden belohnt werden sollen), sowie Vermächtnisse haben das Vermögen der
Akademie, mit Einschluß des fertiggestellten Palastes und ihres Zinshauses, auf mehr als
2,300.000 Gulden gehoben. Gegenwärtig beträgt das Jahresbudget schon ungefähr
150.000 Gulden, wozu das Land jährlich 40.000 Gulden beiträgt.
Die Hauptstadt überließ schon im Jahre 1860 einen an der Donau gelegenen Bau-
grund von ungefähr 1.304'/s Quadratklafter (nach damaligem Werthe 260.000 Gulden)
großentheils unentgeltlich für den geplanten Palast, und da schon damals eine ansehnliche
Summe gesammelt war und die Hoffnung begründet schien, daß die Spenden für den Bau
des schönen Palastes völlig ausreichen würden, so wurde eine Commission zur Aus-
arbeitung des Bauplans gebildet und im Jahre 1862 der Bau begonnen. Im Jahre 1865
konnte die Akademie ihre Generalversammlung schon im eigenen Palast abhalten.
Das Erdgeschoß des Palastes enthält die prächtige Säulenhalle und die geschmackvoll
eingerichtete Bibliothek, deren Grund durch die Büchersammlungen der Familien Teleki
und Batthyäny gelegt wurde. Hier ist auch die werthvolle Haudschrifteusammlung unter-
gebracht. Im ersten Stockwerk befinden sich der Prunksaal mit Wandgemälden von Karl
Lotz, der Saal für die wöchentlichen Sitzungen mit Landschaften von Anton Ligeti und
der Bildersaal mit den Bildnissen hochverdienter Akademiker, wie Graf Stefan Szechenyi,
Graf Emil Dessewffy, Baron Josef Eötvös, Franz Deak, Michael Vörösmarty, Franz
Kölcsey, Franz Toldy, Johann Arany, Graf Julius Audräffy und viele Andere. Anstoßend
folgt der Präsidialsaal, gleichfalls mit Porträts mehrerer verstorbener Mitglieder; das
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch