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um die Resultate der ungarischen Wissenschaft, in erster Reihe der Akademie, dem Auslande
mitzutheilen. Außerdem bietet sie dem gebildetem Publikum in ihrem „Bücherverlags-
Unternehmen", das seit 1872 bereits 117 Bände gebracht hat, theils ungarische Original-
werke, theils die vorzüglichsten Leistungen der ausländischen Literaturen in ungarischer
Übersetzung zu möglichst billigem Preise, ja den zahlreichen Vereinen und besonders
Schulen des Landes beinahe unentgeltlich. Das sind die Zinsen, welche die Akademie der
Nation von der Summe bezahlt, die ihr zur Förderung der ungarischen Cultur anvertraut
worden und die sie nun schon durch ein halbes Jahrhundert treulich verwaltet, indem sie
sich stets mehr als sichere „Verwalterin, denn als Nutznießerin" derselben betrachtet hat.
Ungefähr dasselbe, was die Akademie für die Entwicklung der Wissenschaft gethan,
leistete die Kisfaludy-Gefellschaft für die Entwicklung der ungarischen Poesie, Kunst-
prosa und ästhetischen Kritik. Diese Gesellschaft hat sich schon 1836 gebildet, zunächst nur,
um den uuverweudet gebliebenen Rest (4.475 Gulden) der für ein Standbild Karl
Kisfaludys eingegangenen Beiträge zu verwalten und dessen Zinsen zum Besten der
Literatur zu verwerthen. Daher beschränkte sich die im Jahre 1837 organisirte „ belletristische
Anstalt" anfangs nur auf die Aussetzung einiger Preise. Die Anerkennung derselben in
der feierlichen Jahressitzung hob den Namen der jungen Schriftsteller nicht minder, als die
des Marczibänyi-Preises vvn 400 Gulden (aus deu seit 1815 flüssig gemachten Zinsen
der Stesan Marezibänyischen Stiftung) den der Gelehrten; aber trotzdem sahen die tiefer
denkenden Mitglieder bald ein, daß es nicht genüge, die Bestrebungen der jungen Schrift-
steller durch Preise zu unterstützen, sondern daß die Gesellschaft auch durch „thatsächliche
Selbstthätigkeit" Richtung geben müsse. Seit 1842 wurde also die Thätigkeit der Gesellschaft
eine ausgedehntere und wirklich wohlthätige. Sie begann zuerst die Erzeugnisse der Volks-
poesie sorgfältiger zu sammeln, zu erklären, zu zergliedern und herauszugeben. Sie brachte
Übersetzungen von Shakespeare, Moli'ere, Plautus, Sophokles, Cervantes, Schiller, Bnrns
nud Anderen, welche den besten ausländischen gleichkommen. Im Laufe ihrer Wirksamkeit
zog sie die vorzüglichsten Schriftsteller des Landes in ihre Ehrenschar, wodurch auch ihr
eigener Glanz immer mehr wuchs. Sie war es, die einen Johann Arany und Emerich
Madäch gleichsam entdeckte und die Originalwerke und Übersetzungen einer ganzen Menge
trefflicher Schriftsteller des Landes herausgab. Ihr festes Capital beträgt jetzt weit über
100.000 Guldeu.
Bedeutendere Vereine mit dem Sitz in Budapest sind noch die folgenden: diePetöfi-
Gesellschaft, die im Jahre 1875 gleichfalls zur Pflege der fchöueu Literatur gegründet
wurde. Unter den fachwissenschaftlichen Gesellschaften ist die beliebteste die königlich
ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, die schon 1840 gegründet wurde
und mit so außerordentlichem Erfolg thätig ist, daß von ihrer Zeitschrift mindestens
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch