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nur von je einer Liedersammlung nähren. Wir kennen in diesem Jahrhundert eine ganze
Schar von Liederdichtern; die bedeutendsten sind Matthias Birö von Deva, Stephan
Szttely, Michael Sztärai, Andreas Batizi, Gallns Hnszär, Peter Bornemissza
nnd Nikolaus Fazekas vou Bogät, der seinen unitarischen Glaubensgenossen die erste
vollständige Psalmenübersetznng schenkte. Nein ästhetisch betrachtet, sind die Gesänge der
Unitarier und Sabbatarier die schönsten; in ihnen erneuert sich die tiefe religiöse Audacht
des Mittelalters uud man hört den starken Glauben, das unbeugsame Gottvertrauen des
vor den Verfolgungen fliehenden Gläubigen in regelmäßigen Rhythmen ausklingen. Wir
wollen hier nnr einen der herrlichen unitarischen Gesänge anführen:
Wahre Majestät, einziger Herr, Unsterblicher, Unsichtbarer
Gott von mächtigem Willen! In deinen Herrlichkeiten,
Deß Ruhm und großer Name Die Engel und großen Heiligen
Himmel und Erde füllen. Lobsingend dich preisen.
Auch aus den Gesängen der Sabbatarier, die znm großen Theil dnrch Simon
Pechy, Kanzler von Siebenbürgen, einen der hervorragendsten Männer des nächsten
Jahrhunderts, auf uus gekommen sind, spricht ein ergreifender Glaubenseifer uud das
starke Vertraue» auf deu Bestand der kleinen Glaubensgenossenschaft. Als Beispiel seien
folgende Strophen angeführt:
Unsres Glaubens wegen müssen Vater, Mntter, Alles Elend müssen nnstät wir erdulden
Und das süße Heimatland, Und ertragen alle Schmach;
Weib uud Kind verlassen wir und Haus und Erbe, Doch wir achten's wenig, laß uns nnr erleben
Unsres ganzen Lebens Stand. Einst des letzten Sabbaths Tag.
Das Feld des Religionskampfes betraten in voller Rüstung auch Solche, die keine
Kirchengesänge verfaßten, sondern Lehr-, Mahn- und Strafgedichte zur häuslichen Auf-
erbauuug der Seele; in diesen erinnern sie an den Tod und das letzte Gericht, sie ermähnen
die Gläubigen zu tugendsamem Leben und drohen den Sündern ewige Verdammniß an,
namentlich auch Denen, die mit ihren gutsherrlichen Rechten Mißbrauch treiben, denn sie
geißeln die hochgebornen grausamen Volksbedrücker nicht weniger scharf als diejenigen,
welche die Verbreitung des neuen Glaubens in irgend einer Hinsicht zu hindern wagen.
Mit zerknirschter Seele harren sie, daß die göttliche Gerechtigkeit ihnen zntheil werde; diese
kann ja für sie nur günstig ausfallen, einstweilen aber sehen sie dennoch mit Erbittern!,g
den Ruin der Nation, denn welcher politischen Partei nnd religiösen Consession auch der
Verfasser angehören mag, in der Tiefe seines Herzens ist er doch vor Allem ein Ungar. Aus
dem Schicksal des jüdischen Volkes lasen sie die Zukunft der Nation heraus. Unter den
Schriftstellern, welche die beiden Völker mit einander verglichen, erzielte Andreas Farkas
die größteWirknng mit seinem Werke: „Von der jüdischen und der uugarischeu Nation", das
im Jahre 1538 erschien. Seiner Ansicht nach ist das Schicksal dieser beiden auserwählteu
Ungarn III. 17
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch