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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 257 -
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257 nur von je einer Liedersammlung nähren. Wir kennen in diesem Jahrhundert eine ganze Schar von Liederdichtern; die bedeutendsten sind Matthias Birö von Deva, Stephan Szttely, Michael Sztärai, Andreas Batizi, Gallns Hnszär, Peter Bornemissza nnd Nikolaus Fazekas vou Bogät, der seinen unitarischen Glaubensgenossen die erste vollständige Psalmenübersetznng schenkte. Nein ästhetisch betrachtet, sind die Gesänge der Unitarier und Sabbatarier die schönsten; in ihnen erneuert sich die tiefe religiöse Audacht des Mittelalters uud man hört den starken Glauben, das unbeugsame Gottvertrauen des vor den Verfolgungen fliehenden Gläubigen in regelmäßigen Rhythmen ausklingen. Wir wollen hier nnr einen der herrlichen unitarischen Gesänge anführen: Wahre Majestät, einziger Herr, Unsterblicher, Unsichtbarer Gott von mächtigem Willen! In deinen Herrlichkeiten, Deß Ruhm und großer Name Die Engel und großen Heiligen Himmel und Erde füllen. Lobsingend dich preisen. Auch aus den Gesängen der Sabbatarier, die znm großen Theil dnrch Simon Pechy, Kanzler von Siebenbürgen, einen der hervorragendsten Männer des nächsten Jahrhunderts, auf uus gekommen sind, spricht ein ergreifender Glaubenseifer uud das starke Vertraue» auf deu Bestand der kleinen Glaubensgenossenschaft. Als Beispiel seien folgende Strophen angeführt: Unsres Glaubens wegen müssen Vater, Mntter, Alles Elend müssen nnstät wir erdulden Und das süße Heimatland, Und ertragen alle Schmach; Weib uud Kind verlassen wir und Haus und Erbe, Doch wir achten's wenig, laß uns nnr erleben Unsres ganzen Lebens Stand. Einst des letzten Sabbaths Tag. Das Feld des Religionskampfes betraten in voller Rüstung auch Solche, die keine Kirchengesänge verfaßten, sondern Lehr-, Mahn- und Strafgedichte zur häuslichen Auf- erbauuug der Seele; in diesen erinnern sie an den Tod und das letzte Gericht, sie ermähnen die Gläubigen zu tugendsamem Leben und drohen den Sündern ewige Verdammniß an, namentlich auch Denen, die mit ihren gutsherrlichen Rechten Mißbrauch treiben, denn sie geißeln die hochgebornen grausamen Volksbedrücker nicht weniger scharf als diejenigen, welche die Verbreitung des neuen Glaubens in irgend einer Hinsicht zu hindern wagen. Mit zerknirschter Seele harren sie, daß die göttliche Gerechtigkeit ihnen zntheil werde; diese kann ja für sie nur günstig ausfallen, einstweilen aber sehen sie dennoch mit Erbittern!,g den Ruin der Nation, denn welcher politischen Partei nnd religiösen Consession auch der Verfasser angehören mag, in der Tiefe seines Herzens ist er doch vor Allem ein Ungar. Aus dem Schicksal des jüdischen Volkes lasen sie die Zukunft der Nation heraus. Unter den Schriftstellern, welche die beiden Völker mit einander verglichen, erzielte Andreas Farkas die größteWirknng mit seinem Werke: „Von der jüdischen und der uugarischeu Nation", das im Jahre 1538 erschien. Seiner Ansicht nach ist das Schicksal dieser beiden auserwählteu Ungarn III. 17
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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