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macht. Auf dem Höhepunkt seiner literarischen Laufbahn erschien sein großes Werk:
„Ein Wegweiser zur Wahrheit" (iFassässra vexerlö kalau?), das unter den theologischen
Streitschriften seiner Zeit in allererster Reihe steht. Die Wirkung dieses ausgezeichneten
Buches auf Alle, die der kirchlichen Literatur oblagen, war eine außerordentliche. Selbst
die Universität Wittenberg antwortete darauf, Päzmäny aber behandelte in einer Gegen-
antwort seine Widersacher bereits als thatsächlicher Sieger. Manche waren der Ansicht,
jenes Buch habe den Interessen der katholischen Kirche mehr genützt als der ganze
dreißigjährige Krieg.
Gegen das Ende seines Lebens hin sammelte Päzmäny seine Kirchenreden, aber
zumeist nur die Souutagspredigteu. In dieser Sammlung wollte er zunächst den Geist-
lichen und Religionslehrern einen Leitfaden bieten, da, wie er schrieb, „die Pfarrer nicht
allefammt Gelehrte sind". Er wünscht sie über ihre Pflichten aufzuklären, damit sie ihre
Reden „mit lange Zeit währenden Verbesserungen" abfassen möchten und auch selber
durchdrungen seien von der Glut der Idee, zu der sie ihre Getreuen begeistern wollen.
In der That, Päzmäny begeisterte sich und Andere, obgleich er seine Hörer selten hinzu-
reißen wußte. Stark und durchdringend an Verstand, war er an Gefühl weniger warm;
er konnte also besser erleuchten als zünden. Seine Phantasie war reich und lebhaft, sie
erging sich ungezwungen in schönen Gleichnissen und Bildern, obgleich er sich nicht, wie
Bossnet, zum Erhabenen aufschwingen konnte; niederzuschmettern freilich, einen bedauerns-
werthen Gegner mit blutigen Streichen seiner Satire zu zerfleischen, verstand Niemand
besser als Päzmäny. Die rohe und wilde Kraft, der wir beinahe in allen Schriften
Päzmany's begegnen, floß aus keiner Feder in solcher magyarischer Urwüchsigkeit, wie
aus der des furchtbaren Primas. Wohl vertraut mit der Sprache des Volkes, geübt in
ihren überraschenden Wendungen und abwechsluugsvolleu Schattiruugeu, erhob er die
Sprache der Gegend, wo er geboren war und seine Kinderzeit verlebt hatte, also des
Biharer Comitats, den Dialect der Theißgegend, zur Literatursprache. Dadurch bildete er
die ungarische Prosa des Abhandlungsstils so reich aus, daß selbst diejenigen, die am
Ende des vorigen Jahrhunderts die Weiterbildung der Sprache größteutheils nach fremden
Mustern versuchten, zu ihm in die Schule gingen. Er „sprach nicht mit der abstracten und
schwerfälligen Ausdrucksweise der trockenen Spekulation, sondern in der einfachen Sprache
des Volkes", die er „in ihrer vollen Frische und Kraft, mit ihren urwüchsigen und derben
Sprichwörtern zuerst in die Literatur eingeführt hat". Doch nicht nur als Reduer, auch als
Schriftsteller ist er der Lehrmeister seiner Zeit, mit dem sich an Glut und Kraft höchstens
Nikolaus Zriuyi, und unter den Protestanten vielleicht der einzige Albert Molnär von
Szencz messen kann. Von seinen katholischen Zeitgenossen und Anhängern kommt ihm in
dieser Hinsicht nur Georg Käldy nahe; doch weisen Käldys Bibelübersetzungen und Kirchen-
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch