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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 266 -
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266 macht. Auf dem Höhepunkt seiner literarischen Laufbahn erschien sein großes Werk: „Ein Wegweiser zur Wahrheit" (iFassässra vexerlö kalau?), das unter den theologischen Streitschriften seiner Zeit in allererster Reihe steht. Die Wirkung dieses ausgezeichneten Buches auf Alle, die der kirchlichen Literatur oblagen, war eine außerordentliche. Selbst die Universität Wittenberg antwortete darauf, Päzmäny aber behandelte in einer Gegen- antwort seine Widersacher bereits als thatsächlicher Sieger. Manche waren der Ansicht, jenes Buch habe den Interessen der katholischen Kirche mehr genützt als der ganze dreißigjährige Krieg. Gegen das Ende seines Lebens hin sammelte Päzmäny seine Kirchenreden, aber zumeist nur die Souutagspredigteu. In dieser Sammlung wollte er zunächst den Geist- lichen und Religionslehrern einen Leitfaden bieten, da, wie er schrieb, „die Pfarrer nicht allefammt Gelehrte sind". Er wünscht sie über ihre Pflichten aufzuklären, damit sie ihre Reden „mit lange Zeit währenden Verbesserungen" abfassen möchten und auch selber durchdrungen seien von der Glut der Idee, zu der sie ihre Getreuen begeistern wollen. In der That, Päzmäny begeisterte sich und Andere, obgleich er seine Hörer selten hinzu- reißen wußte. Stark und durchdringend an Verstand, war er an Gefühl weniger warm; er konnte also besser erleuchten als zünden. Seine Phantasie war reich und lebhaft, sie erging sich ungezwungen in schönen Gleichnissen und Bildern, obgleich er sich nicht, wie Bossnet, zum Erhabenen aufschwingen konnte; niederzuschmettern freilich, einen bedauerns- werthen Gegner mit blutigen Streichen seiner Satire zu zerfleischen, verstand Niemand besser als Päzmäny. Die rohe und wilde Kraft, der wir beinahe in allen Schriften Päzmany's begegnen, floß aus keiner Feder in solcher magyarischer Urwüchsigkeit, wie aus der des furchtbaren Primas. Wohl vertraut mit der Sprache des Volkes, geübt in ihren überraschenden Wendungen und abwechsluugsvolleu Schattiruugeu, erhob er die Sprache der Gegend, wo er geboren war und seine Kinderzeit verlebt hatte, also des Biharer Comitats, den Dialect der Theißgegend, zur Literatursprache. Dadurch bildete er die ungarische Prosa des Abhandlungsstils so reich aus, daß selbst diejenigen, die am Ende des vorigen Jahrhunderts die Weiterbildung der Sprache größteutheils nach fremden Mustern versuchten, zu ihm in die Schule gingen. Er „sprach nicht mit der abstracten und schwerfälligen Ausdrucksweise der trockenen Spekulation, sondern in der einfachen Sprache des Volkes", die er „in ihrer vollen Frische und Kraft, mit ihren urwüchsigen und derben Sprichwörtern zuerst in die Literatur eingeführt hat". Doch nicht nur als Reduer, auch als Schriftsteller ist er der Lehrmeister seiner Zeit, mit dem sich an Glut und Kraft höchstens Nikolaus Zriuyi, und unter den Protestanten vielleicht der einzige Albert Molnär von Szencz messen kann. Von seinen katholischen Zeitgenossen und Anhängern kommt ihm in dieser Hinsicht nur Georg Käldy nahe; doch weisen Käldys Bibelübersetzungen und Kirchen-
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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