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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Volume 12
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Page - 272 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Volume 12

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272 wendete sein Zeitgenosse Stephan Gyöngyösi mehr die äußeren Elemente der Kunst mit Meisterschaft, daher er auch schon zu seiner Zeit von außerordentlicher Wirkung war und sich diese bis zum Anfang unseres Jahrhunderts erhielt. Er folgte den Spuren der Chrouisteu seiner Zeit, verschmolz jedoch die geschichtliche Erzählung mit einem romantischen Element und stellte nicht sowohl Schlachten als Liebeshändel dar. Die Bedeutung und lebendige Wirkung seiner Werke, wie: „Die mit M a r s verkehrende Venus von Mnräny" (a Uurssal türsa1!co6ü Uurär^i Venus), „Der aus seiner Asche er- standene Phönix" (a?oraiböl moZelemeckett?koenix), der „Rosenkranz" (liü-isa- kosöoru) u. s. w. liegt in der lebensvollen Schilderung und malerischen Darstellung, die sich in leichten, wohlgefügten Rhythmen bewegt. So musikalisch hinfließende Alexandriner wie Gyöngyösi haben nur die großen Dichter unseres Jahrhunderts geschrieben. Mit der epischen Dichtung des XVII. Jahrhunderts vermochte die Lyrik nicht Schritt zu halten, die Balassa nachahmte, höchstens daß der elegische Klageton, den sie für ihre und des Vaterlandes Leiden haben, einigen Antheil erregt. Johann Nimai, Peter Beuiezky und Stephan Kohäri sind die hervorragendsten Nachahmer Balassa's, doch bedeuten sie keineswegs eine Hebung der ungarischen Lyrik. Erst im folgenden Jahr- hundert zeigt'sich der Anlauf dazu bei Paul Räday, Ladislaus Amade und Franz Falndi . Der Erstere schuf eiuige geistliche Gedichte, die sich durch Adel und Kraft der Sprache, wie durch warme Empfindung nnd ernsten Ton auszeichnen; die beiden Anderen aber erhoben die Lyrik zur Leichtigkeit der Wendungen, zu tändelnder Lauue, heiterer Philosophie, hübschen Einfällen uud Bildern. Suchen wir in der Lyrik des XVII. Jahrhunderts ergreifende, echte Töne, so finden wir diese nicht in der Kunstdichtung, sondern in der sogenannten Kuruezeu- poesie, die zwar auch einige interessante epische Proben auszuweisen hat, am reichsten aber als Lyrik erklingt. Die Kriegs- und Trauerlieder, in denen fast immer Hohn und Schmerz in Eins verschmelzen, richten sich zumeist gegen die fremden Unterdrücker. Zuweilen bricht aus ihueu auch die Wehklage des verfolgten Protestanten hervor, der ständige Grnndton jedoch ist mehr die Trauer um das unterdrückte Vaterland. Haß und Rache kommen zu Worte, wohl auch die Verzweiflung, die hernach im Humor Linderung sucht. Das berühmte Räköczy-Lied ist thatsächlich die „Rhapsodie des nationalen Leidens". Als zu Aufaug des XVIII. Jahrhunderts die Kuruezeupoesie verstummt, beruhigt sich auch die Nation bei den Errungenschaften des Szatmärer Friedens, sie ruht aus von den Jahrhunderten des Kampfes, sie bricht mit der bisherigen politischen Richtung, sie beugt sich der Macht der Thatsachen und geht Hand in Hand mit ihrem König an did Neu- schaffung der politischen Einrichtungen des Landes, während die alten Überlieferungen und Wünsche in ihrer Erinnerung immer mehr erblassen. Diese Epoche des Ausruheus
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Volume 12
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (3)
Volume
12
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1893
Language
German
License
PD
Size
15.49 x 21.91 cm
Pages
626
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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