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32 Procent. — Das Haller Salzbergwerk ist schon seit langer Zeit bekannt. Ursprünglich
war es eine Quellensaline. Die ersten Spuren führen in die Zeit der Merowinger zurück.
Im Jahre 740 wurden durch den baierischen Landesfürsten dem Kloster Benedikt-Beuern
5 Behältnisse Salz, in Hall zu sieden, geschenkt. Die Quellensaline wurde später von Hall
nach Thauer verlegt und diese bestand noch im Jahre 1263. Über die Entdeckung des
Salzgebirges schwanken die Angaben zwischen den Jahren 1265 und 1272. Der Abbau
des Salzes erfolgt durch Auslaugung mit Wasser. Zu diesem Zweck werden sogenannte
Werke errichtet. Von dem Werke wird die Sole in tiefer stehende Werke geleitet und fließt
dann durch Röhren über Gradierwerke nach Hall in die Sudpfannen. Im Jahre 1889
wurden 132.431 Quiutal Sudsalz uud 1.714 Quiutal Dungsalz im Werthe von
1,061.162 Gulden erzeugt.
Ganz einzig in seiner Art ist ein drittes Bergerzeuguiß, der Asphaltstein. Der
Asphalt hat seinen Sitz im Hauptdolomit. Am meisten verbreitet zeigt er sich in der Gegend
von Seefeld, doch kommt er auch im Acheuthal und im Fernpaß in untergeordneter Weise
vor. Die Lagerungsverhältnisse sind in der Gegend von Seefeld äußerst unregelmäßig,
daher ist auch von einem regelmäßigen Bergbau keine Rede. Der Gehalt an Bitnmen
schwankt von 5 bis 80 Procent. Der bituminöse Asphaltstein enthält zwei Stoffe: das
Asphalten und das Petrolen. Beide verbunden bilden den Asphalttheer. Wird der Asphalt-
theer nnt Asphaltstein von ungefähr 5 Procent Gehalt nach einem bestimmten Verhältniß
gemischt, so bildet sich eine Masse, welche beim Erkalten sehr hart wird. Diese Masse
nannten die Alten Asphalt-Kitt, die neuere Technik hat dafür den Ausdruck Asphaltmastix.
Die Erzeugnisse des Asphaltsteins sind in Seefeld von derselben Güte wie die französischen
vom Val de Travers, Bastemes Lobsann. Der Werth der im Jahre 1889 gewonnenen
Asphaltsteine betrug 6.320 Gulden.
Gewerbe, Industrie und Handel. Auf dem gewerblichen und industriellen
Gebiete treffen wir in Tirol und Vorarlberg sowohl in der geschichtlichen Entwicklung
wie in den Verhältnissen der Gegenwart solche Verschiedenheiten, daß eine gesonderte Dar-
stellung nothwendig wird.
Diese durch die geographische Lage, Bodenbeschaffenheit und Bodencultur, sowie
durch Nationalität und Sprache und wohl auch durch geschichtliche Entwicklungsprocesse
bedingte Verschiedenheit der Verhältnisse hat es auch nothwendig gemacht, daß bei Ein-
führung des Instituts der Handels- und Gewerbekammern das Land in vier Produetious-
uud Verkehrsgebiete eingetheilt wurde: Nordtirol mit der Handels- und Gewerbekammer
von Innsbruck, das deutsche Südtirol und das Pusterthal mit der Kammer in Bozen, der
italienischsprachige Theil Tirols mit der Kammer in Rovereto und Vorarlberg mit der
Kammer in Feldkirch.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Tirol und Vorarlberg, Volume 13
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Tirol und Vorarlberg
- Volume
- 13
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.12 x 23.1 cm
- Pages
- 624
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch