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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
Page - 312 -
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Page - 312 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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312 Statthalterei erschienen mit der Mittheilung, daß der Kaiser ein neuerliches Schreiben nach Prag gerichtet habe, und forderten die Versammelten auf, sich auf dem Schlosse einzufinden und den Inhalt desselben von dem Statthalter zur Kenntniß zu nehmen. Die Stände folgten der Aufforderung und erfuhren, daß Matthias ihre Zusammenkunft abermals verbiete. Während sie am folgenden Tage über die zu ertheilende Antwort beriethen, wollte Graf Thurn, die Seele der ganzen Bewegung, die Gelegenheit zu einem Bruch mit dem regierenden Hause benützen. Er dachte dies am besten dadurch bewirken zu können, wenn er die Versammelten zu einer That bewog, die der Kaiser nicht ungerächt lassen konnte, und welche deshalb die Stände und das übrige Land zu einem Bunde gegen die zu befürchtende Rache einigen mußte. Das Schwert sollte dann entscheiden. Als eine solche herausfordernde und nicht mehr rückgängig zu machende That betrachtete Thnrn die Ermordung der in Abwesenheit des Königs die Regierung führenden Statthalter. Wie lang er sich mit diesem Plane getragen haben mag, ist unbekannt, am 22. Mai deutete er ihn einigen Personen zum erstenmal an und berieth über dessen Durchführung an? selben Tage mit Albrecht Smiricky, Wenzel Bndovec und mehreren anderen Personen. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß man die Statthalter zum Fenster hinauswerfen und so eine in der böhmischen Geschichte wiederholte Bestrafung mißliebiger Würdenträger nachahmen solle. Den nächsten Tag wurden andere angesehene Personen von dem Plane in Kenntniß gesetzt und für die Durchführung desselben gewonnen, nnd so konnte Thurn sicher sein, daß, wenn er zwischen den Ständen und den Statthaltern in der königlichen Kanzlei einen Streit heraufbeschwor, der von ihm beabsichtigteMordanschlag ohne ernstlichen Widerspruch vollführt werden würde. Als sich die Stände am 23. Mai auf das Schloß verfügten, überbrachten sie keine Antwort auf das Schreiben des Kaisers, sondern eine Zuschrift an die Statthalter, welche einen Protest gegen die beabsichtigte Verhinderung ihrer Zusammenkünste enthielt und die Frage stellte, wer zu dem ersten kaiserlichen Schreiben gerathen habe und ob es vielleicht von den Statthaltern selbst herrühre. Mitglieder der Statthalterei waren die obersten Landesbeamten, von denen jedoch diesmal nur der Oberstburggraf Adam von Sternberg, der Burggraf von Karlstein Martinitz, der Oberstlandrichter Slavata und der Großprior des Malteserordens Depold von Lobkowitz in der Kanzlei zugegen waren. Die Stände drangen in dieselbe ein und nach Vorlesung des erwähnten und eines anderen Schriftstückes, bei denen es zu heftigen Vorwürfen gegen Slavata und Martinitz kam, die sich stets als entschiedene Gegner jeder nichtkatholischen Richtung geltend gemacht hatten, ereignete sich jene Scene, die eine welthistorische Bedeutung erlangte und von den böhmischen Patrioten später auf das tiefste bedauert wurde: der Fenstersturz. Man schob die Herren von Sternberg und Lobkowitz, gegen die man keinen Groll hegte,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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