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Garn verfertigten Stickereien der Plachen, mit denen das Bett der Wöchnerin verhängt
wird. Neben gefärbtem Garn verwendet man bei den Stickereien bunte Seide, goldene
Fäden, glänzende farbige Perlchen (küstk^, Schmelz) und Fliminergold. Die technische
Ausführung verräth große Fertigkeit. Bezeichnend sind conceutrische Zergliederungen
einzelner Motive und ein großer Farbenreichthum, der noch gesteigert wird durch gold-
schimmernde kleine Metallschuppen und durch farbigen Schmelz. Uuter den Farben
dominireu Gelb und Roth, obzwar auch schwarze Stickereien schon im XVI. Jahrhundert,
wie durch alte Aufzeichnungen bestätigt wird, verbreitet waren. Doch auch die Weiß-
stickereien weisen Stücke von wunderbarer Arbeit auf uud können sich als Specialitäten
geradezu rühmen (wie zum Beispiel die Kuoteustickereieu der Hauben). Die Ornamental-
motive stammen, abgesehen von den geometrischen, zumeist aus dem Pflanzenreiche; von
den Thieren erscheint am häufigsten ein stilisirter Vogel, namentlich der Hahn.
Vor der Beschreibung der einzelnen Trachten sei hier noch der Pflege des männlichen
Kopfes erwähnt. Die alterthümliche Sitte, Kinn und Wange zu rasireu, herrscht noch
heutzutage, obgleich man auch schon, namentlich auf dem Lande, bei den jüngeren Leuten
Vollbärte oder Schnurbärte oder wenigstens Backenbärte sehen kann, diese namentlich in
der Umgebung von Sobeslan und Veseli. Langes Haar, rund zugeschnitten hinter die
Ohren und manchmal auch in die Stirn nach alter Mode gekämmt, wird nur mehr selten
getragen, am ehesten noch von alten Leuten in abgelegenen Gebirgsdörsern. Die Jüngeren
lassen sich das Haar zuschneiden, kämmen es mannigfach und theilen es zumeist so, daß
der Scheitelstreif über dem linken Ohr sich befindet.
Die Männer im Chod engebiete in der Umgebung von Taus tragen gelbe lederne
Hosen, die an den Knien Riemchcn (^'eSterk)'", Eidechsen) haben, weiße oder blaue
Strümpfe und über sie Röhrenstiefel, obzwar jetzt die langen Stoffhosen (Pautalou) über-
wiegen. Die blaue Tuchweste oder „IHK- pflegt auf dem Kragen und über den Taschen
mit bunter Seide schön gestickt zu sein. In der Regel wird sie nicht ganz zugeknöpft, damit
man das Futter aus rothem Tuch sehen kann. Das Sonntagshemd aus feiner Leinwand
ist ebenfalls mit weißen Stickereien geziert, und zwar am Kragen, an den Ärmeln und
unteren Ärmelbesätzen. Der Kragen wird über dem Halstuch, das gewöhnlich von Seide
und zu einer Masche gebunden ist, umgelegt. Uber derWeste tragen dieJuugeu (,eklap<:i")
eine dunkelblaue Tuchjacke, die ebenfalls am stehenden Kragen, an den Klappen (Lidern)
und Ärmeln mit reichen Stickereien aus bunter Seide geschmückt ist. Diese Jacke hat zwei
Reihen glänzender Knöpfe, wird aber in der Regel offen getragen. Aus der einen der
beiden Taschen guckt das Tuch, das zumeist roth ist, heraus, aus der anderen ein gezierter
Tabaksbeutel. Früher trug man auch Gürtel, die ebenfalls gestickt oder mit Silber
beschlagen waren.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch