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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 410 -
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410 Garn verfertigten Stickereien der Plachen, mit denen das Bett der Wöchnerin verhängt wird. Neben gefärbtem Garn verwendet man bei den Stickereien bunte Seide, goldene Fäden, glänzende farbige Perlchen (küstk^, Schmelz) und Fliminergold. Die technische Ausführung verräth große Fertigkeit. Bezeichnend sind conceutrische Zergliederungen einzelner Motive und ein großer Farbenreichthum, der noch gesteigert wird durch gold- schimmernde kleine Metallschuppen und durch farbigen Schmelz. Uuter den Farben dominireu Gelb und Roth, obzwar auch schwarze Stickereien schon im XVI. Jahrhundert, wie durch alte Aufzeichnungen bestätigt wird, verbreitet waren. Doch auch die Weiß- stickereien weisen Stücke von wunderbarer Arbeit auf uud können sich als Specialitäten geradezu rühmen (wie zum Beispiel die Kuoteustickereieu der Hauben). Die Ornamental- motive stammen, abgesehen von den geometrischen, zumeist aus dem Pflanzenreiche; von den Thieren erscheint am häufigsten ein stilisirter Vogel, namentlich der Hahn. Vor der Beschreibung der einzelnen Trachten sei hier noch der Pflege des männlichen Kopfes erwähnt. Die alterthümliche Sitte, Kinn und Wange zu rasireu, herrscht noch heutzutage, obgleich man auch schon, namentlich auf dem Lande, bei den jüngeren Leuten Vollbärte oder Schnurbärte oder wenigstens Backenbärte sehen kann, diese namentlich in der Umgebung von Sobeslan und Veseli. Langes Haar, rund zugeschnitten hinter die Ohren und manchmal auch in die Stirn nach alter Mode gekämmt, wird nur mehr selten getragen, am ehesten noch von alten Leuten in abgelegenen Gebirgsdörsern. Die Jüngeren lassen sich das Haar zuschneiden, kämmen es mannigfach und theilen es zumeist so, daß der Scheitelstreif über dem linken Ohr sich befindet. Die Männer im Chod engebiete in der Umgebung von Taus tragen gelbe lederne Hosen, die an den Knien Riemchcn (^'eSterk)'", Eidechsen) haben, weiße oder blaue Strümpfe und über sie Röhrenstiefel, obzwar jetzt die langen Stoffhosen (Pautalou) über- wiegen. Die blaue Tuchweste oder „IHK- pflegt auf dem Kragen und über den Taschen mit bunter Seide schön gestickt zu sein. In der Regel wird sie nicht ganz zugeknöpft, damit man das Futter aus rothem Tuch sehen kann. Das Sonntagshemd aus feiner Leinwand ist ebenfalls mit weißen Stickereien geziert, und zwar am Kragen, an den Ärmeln und unteren Ärmelbesätzen. Der Kragen wird über dem Halstuch, das gewöhnlich von Seide und zu einer Masche gebunden ist, umgelegt. Uber derWeste tragen dieJuugeu (,eklap<:i") eine dunkelblaue Tuchjacke, die ebenfalls am stehenden Kragen, an den Klappen (Lidern) und Ärmeln mit reichen Stickereien aus bunter Seide geschmückt ist. Diese Jacke hat zwei Reihen glänzender Knöpfe, wird aber in der Regel offen getragen. Aus der einen der beiden Taschen guckt das Tuch, das zumeist roth ist, heraus, aus der anderen ein gezierter Tabaksbeutel. Früher trug man auch Gürtel, die ebenfalls gestickt oder mit Silber beschlagen waren.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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