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Wirthschaften verbindet ein in der Regel hölzernes Thor vorn das Wohngebäude, dessen
Fenster manchmal nicht auf den Platz oder die Gasse gehen, sondern in den engen Hofraum,
mit dem Schüttkasten oder mit der Ansgedinger-Chalupe, an die sich die Stallungen, wie
auch ein besonderer kleinerer Stall für das ärarische Pferd anschließen. Wenn das
Gebäude eine solche Chalnpe hat, so steht der Schüttkasten hinter dem Thore quer
gegenüber, steht dieser jedoch parallel mit dem Wohngebäude, so ist der Hof mit dem
Schuppen (,po6ZlHi«), der sein Thor gerade dem Hausthor gegenüber hat nud
aufs Feld hinausführt, abgeschlossen. Auf dem Schuppen wird unter dem Dach gewöhnlich
das Hen aufbewahrt (Heuboden, senik). Hinter dem so eng abgeschlossenen Gute steht in
einiger Eutsernnng die Scheune im Schatten eines oder zweier hoher Bäume, einer Linde
oder Esche, deren breite Kronen ihr im Fall einer Feuersgefahr zum Schutze dienen
sollen. Die Einfahrt (das Thor), vor der nicht selten ein breitkroniger Baum, am häufigsten
eine Linde prangt, ist bei älteren Bauernhöfen immer hölzeru mit einem Schindeldach und
hat zwei Eingänge: einen größeren (das eigentliche Thor, vrata) für die Wagen und
einen kleiuereu (das Thürl, ckvirce, ckvilka) für Fußgänger. Bei gemauerten Einfahrten,
die ebenso getheilt sind, sieht man über dem Thore auf beiden Seiten Nischen mit Statuetten
des heiligen Florian, der Mutter Gottes oder der Patrone des Gründers der Wirthschaft.
Der si'ul) (das Blockhaus, Schüttkasten) ist seinem Ursprung nach sehr alt. Er wurde
bei den alten Slaven zu Kriegszeiten auch als Schutzbau verwendet. Auch bei den böhmischen
Wirthschaften hatte er einen ähnlichen Zweck. In den Kammern des Schüttkastens, der
keine Fenster, sondern nur kleine Lücken hat, die bei den Choden den Schießscharten
ähnlich siud, bewahrt der Wirthschaftsbesitzer sein Getreide, Mehl, Rauchfleisch, trockenes
Obst nud iu Truhen und Kasten sein bestes Kleid, wie auch unter dem Schüttkasten im
Keller (,lock«) die Kartoffel». In der Jfergegend sieht man Schüttkasten, die auf Steinsäulen
ruhen, so daß unter einem solchen Schüttkasten sich das Federvieh herumtreibt und die
Schweine hier lagern. Bei den Choden hatte man in älterer Zeit häufig den Schüttkasten
mit dem Wohngebäude verbunden, und zwar so, daß er in der Front des Hauses stand,
vor der Wohnstube, deren Fenster freilich dann nicht auf den Platz blickten. Zum
Schüttkasten führt gewöhnlich von außen, vom Hofe aus, eine hölzerne Stiege, und zwar
zu einem eigenen Gang mit Säulchen eigener Art (im östlichen Böhmen .bssiälca*);
von diesem gelangt man in die Kammern (gewöhnlich gibt es zwei), auf deren Thüren
gedruckte Gebete um den Segen Gottes aufgeklebt werden. Damit der Schüttkasten gegen
das Feuer mehr geschützt sei, wird er hier und da mit Lehm überstrichen und heißt daher
auch lopLnec. Die hölzernen Schüttkasten schwinden jetzt immer mehr und mit ihnen
auch der Namen (,si-ub-). Statt derselben werden jetzt gemauerte Getreidekammern oder
Speicher gebant (,sHpka°, ,sklep', auch ,SpeMiar°).
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch