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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 430 -
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430 Wirthschaften verbindet ein in der Regel hölzernes Thor vorn das Wohngebäude, dessen Fenster manchmal nicht auf den Platz oder die Gasse gehen, sondern in den engen Hofraum, mit dem Schüttkasten oder mit der Ansgedinger-Chalupe, an die sich die Stallungen, wie auch ein besonderer kleinerer Stall für das ärarische Pferd anschließen. Wenn das Gebäude eine solche Chalnpe hat, so steht der Schüttkasten hinter dem Thore quer gegenüber, steht dieser jedoch parallel mit dem Wohngebäude, so ist der Hof mit dem Schuppen (,po6ZlHi«), der sein Thor gerade dem Hausthor gegenüber hat nud aufs Feld hinausführt, abgeschlossen. Auf dem Schuppen wird unter dem Dach gewöhnlich das Hen aufbewahrt (Heuboden, senik). Hinter dem so eng abgeschlossenen Gute steht in einiger Eutsernnng die Scheune im Schatten eines oder zweier hoher Bäume, einer Linde oder Esche, deren breite Kronen ihr im Fall einer Feuersgefahr zum Schutze dienen sollen. Die Einfahrt (das Thor), vor der nicht selten ein breitkroniger Baum, am häufigsten eine Linde prangt, ist bei älteren Bauernhöfen immer hölzeru mit einem Schindeldach und hat zwei Eingänge: einen größeren (das eigentliche Thor, vrata) für die Wagen und einen kleiuereu (das Thürl, ckvirce, ckvilka) für Fußgänger. Bei gemauerten Einfahrten, die ebenso getheilt sind, sieht man über dem Thore auf beiden Seiten Nischen mit Statuetten des heiligen Florian, der Mutter Gottes oder der Patrone des Gründers der Wirthschaft. Der si'ul) (das Blockhaus, Schüttkasten) ist seinem Ursprung nach sehr alt. Er wurde bei den alten Slaven zu Kriegszeiten auch als Schutzbau verwendet. Auch bei den böhmischen Wirthschaften hatte er einen ähnlichen Zweck. In den Kammern des Schüttkastens, der keine Fenster, sondern nur kleine Lücken hat, die bei den Choden den Schießscharten ähnlich siud, bewahrt der Wirthschaftsbesitzer sein Getreide, Mehl, Rauchfleisch, trockenes Obst nud iu Truhen und Kasten sein bestes Kleid, wie auch unter dem Schüttkasten im Keller (,lock«) die Kartoffel». In der Jfergegend sieht man Schüttkasten, die auf Steinsäulen ruhen, so daß unter einem solchen Schüttkasten sich das Federvieh herumtreibt und die Schweine hier lagern. Bei den Choden hatte man in älterer Zeit häufig den Schüttkasten mit dem Wohngebäude verbunden, und zwar so, daß er in der Front des Hauses stand, vor der Wohnstube, deren Fenster freilich dann nicht auf den Platz blickten. Zum Schüttkasten führt gewöhnlich von außen, vom Hofe aus, eine hölzerne Stiege, und zwar zu einem eigenen Gang mit Säulchen eigener Art (im östlichen Böhmen .bssiälca*); von diesem gelangt man in die Kammern (gewöhnlich gibt es zwei), auf deren Thüren gedruckte Gebete um den Segen Gottes aufgeklebt werden. Damit der Schüttkasten gegen das Feuer mehr geschützt sei, wird er hier und da mit Lehm überstrichen und heißt daher auch lopLnec. Die hölzernen Schüttkasten schwinden jetzt immer mehr und mit ihnen auch der Namen (,si-ub-). Statt derselben werden jetzt gemauerte Getreidekammern oder Speicher gebant (,sHpka°, ,sklep', auch ,SpeMiar°).
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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