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Zu Lichtmeß (tn-omnice, 2. Februar) werden Kerzen, sogenannte Donnerkerzen
(Iirommckv) geweiht, welche man während des Gewitters und am Sterbebett anzündet,
einestheils um den Wetterschaden abzuwenden, anderntheils um dem Sterbenden das
Sterben zu erleichtern. — Zu Lichtmeß ist die Hälfte des Winters vorüber, der Tag ist
bereits um eine Stunde länger geworden (na krornniee clne o Iiockinu vice) und die
Lerche muß sich an diesem Tage hören lassen, selbst wenn sie erfrieren sollte (skrivnn
musi na kromnice vi^nout, i möl xmr?nont).
Am Tag der heiligen Dorothea (6. Februar) geht die Dorotka mit einer goldenen
Papierkrone auf dem Haupte und mit ihr der Henker mit einem hölzernen Säbel herum.
Am Matthiastag (24. Februar) gehen die Kinder früh vor Sonnenaufgang in
die Obstgärten hinaus, ziehen sich aus, klettern auf die Obstbäume und rufen mit lauter
Stimme:
?r0sirri Zvat^ko AlatHe, Den heiligen Matthias bitte ich:
a! nam ovoee Komedo dopkeje, Soweit meine Stimme im Garten tönt,
kamkoli v kws inüj se ro^e^e. Sei reichlich uns auch Obst vergönnt.
Der Fasching (magopust) ist der Belustigung, dem.Tanz und den Hochzeiten
gewidmet. Die meisten Hochzeiten werden im Fasching gehalten, denn diese Zeit ist dazu
am besten geeignet, namentlich für den Landmann. Im Fasching muß sich jedes Mädchen
austanzen, und auch die Hauswirthin macht gerne ein Tänzchen mit, denn wie hoch sie
im Fasching springt, so hoch wird ihr der Flachs gedeihen. Am fetten Donnerstag
(wen;' elvi'tek) soll man recht viel Fettes genießen (Schweinefleisch, Krapfen und ähnliches).
Ihren Höhepuukt erreicht die Lustbarkeit in den drei letzten Faschingstagen (»statin), das
heißt Sonntag, Montag und Dienstag vor dem Aschermittwoch. Für diese Tage werden
runde und längliche Krapfen (koklikx a SiSkv) und ein eigenes Gebäck, die sogenannten
,dvA milosti- bereitet; unter den Speisen nimmt der Schweinebraten die vornehmste
Stelle ein. Am Faschingdienstag wird ein lustiger Mummenschanz aufgeführt. Vermummte
Gestalten in allerlei Verkleidung (inaskaräck^), darunter ein Jude, eiu Türke, ein Zigeuner,
ein Fleischhacker, Schergen in militärischem Anzug, ein als „altes Weib" mit dem Trag-
korb verkleideter Mann n. s. f. halten den Umzug und führen den „Bären" (meävöä),
das heißt einen ganz mit Erbsenstroh umwickelten oder mit umgekehrtem Pelz bekleideten
Mann mit sich. So zieht die Maskerade von Haus zu Haus, wobei allerlei Schabernack
und Possen getrieben werden und Jedermann, der des Weges kommt, geneckt wird;
kommen die Theilnehmer an dieser Maskerade in ein Haus, so trinken sie dem Hausherrn
Bier oder Branntwein zu, wofür sie von ihm ein Geldgeschenk erhalten. Die Haus-
frau sucht sich von dem „Bären" etwas Erbsenstroh abzupflücken, um es den brütenden
Hennen und Gänsen ins Nest zu legen, damit die Brut gut gedeihe. Dafür wirft sie dem
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch