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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 440 -
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440 Zu Lichtmeß (tn-omnice, 2. Februar) werden Kerzen, sogenannte Donnerkerzen (Iirommckv) geweiht, welche man während des Gewitters und am Sterbebett anzündet, einestheils um den Wetterschaden abzuwenden, anderntheils um dem Sterbenden das Sterben zu erleichtern. — Zu Lichtmeß ist die Hälfte des Winters vorüber, der Tag ist bereits um eine Stunde länger geworden (na krornniee clne o Iiockinu vice) und die Lerche muß sich an diesem Tage hören lassen, selbst wenn sie erfrieren sollte (skrivnn musi na kromnice vi^nout, i möl xmr?nont). Am Tag der heiligen Dorothea (6. Februar) geht die Dorotka mit einer goldenen Papierkrone auf dem Haupte und mit ihr der Henker mit einem hölzernen Säbel herum. Am Matthiastag (24. Februar) gehen die Kinder früh vor Sonnenaufgang in die Obstgärten hinaus, ziehen sich aus, klettern auf die Obstbäume und rufen mit lauter Stimme: ?r0sirri Zvat^ko AlatHe, Den heiligen Matthias bitte ich: a! nam ovoee Komedo dopkeje, Soweit meine Stimme im Garten tönt, kamkoli v kws inüj se ro^e^e. Sei reichlich uns auch Obst vergönnt. Der Fasching (magopust) ist der Belustigung, dem.Tanz und den Hochzeiten gewidmet. Die meisten Hochzeiten werden im Fasching gehalten, denn diese Zeit ist dazu am besten geeignet, namentlich für den Landmann. Im Fasching muß sich jedes Mädchen austanzen, und auch die Hauswirthin macht gerne ein Tänzchen mit, denn wie hoch sie im Fasching springt, so hoch wird ihr der Flachs gedeihen. Am fetten Donnerstag (wen;' elvi'tek) soll man recht viel Fettes genießen (Schweinefleisch, Krapfen und ähnliches). Ihren Höhepuukt erreicht die Lustbarkeit in den drei letzten Faschingstagen (»statin), das heißt Sonntag, Montag und Dienstag vor dem Aschermittwoch. Für diese Tage werden runde und längliche Krapfen (koklikx a SiSkv) und ein eigenes Gebäck, die sogenannten ,dvA milosti- bereitet; unter den Speisen nimmt der Schweinebraten die vornehmste Stelle ein. Am Faschingdienstag wird ein lustiger Mummenschanz aufgeführt. Vermummte Gestalten in allerlei Verkleidung (inaskaräck^), darunter ein Jude, eiu Türke, ein Zigeuner, ein Fleischhacker, Schergen in militärischem Anzug, ein als „altes Weib" mit dem Trag- korb verkleideter Mann n. s. f. halten den Umzug und führen den „Bären" (meävöä), das heißt einen ganz mit Erbsenstroh umwickelten oder mit umgekehrtem Pelz bekleideten Mann mit sich. So zieht die Maskerade von Haus zu Haus, wobei allerlei Schabernack und Possen getrieben werden und Jedermann, der des Weges kommt, geneckt wird; kommen die Theilnehmer an dieser Maskerade in ein Haus, so trinken sie dem Hausherrn Bier oder Branntwein zu, wofür sie von ihm ein Geldgeschenk erhalten. Die Haus- frau sucht sich von dem „Bären" etwas Erbsenstroh abzupflücken, um es den brütenden Hennen und Gänsen ins Nest zu legen, damit die Brut gut gedeihe. Dafür wirft sie dem
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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