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im Wirthshaus oder beim König, legen alle eine ritterliche Rüstung von Fichtenrinde an,
setzen sich Mützen (dem König eine Krone) von Fichtenrinde auf, schmücken sich mit Blumen
und nehmen hölzerne Schwerter in die Hand, und so gerüstet ziehen sie im Dorfe herum,
für ihren König Gaben sammelnd. Schließlich stellen sie sich auf dem Dorfplatz auf, und
einer von ihnen, der sogenannte „Ausrufer", besteigt einen erhöhten Ort uud improvisirt
auf jedes Haus und dessen Bewohner Lob- oder Spottverse, wozu die versammelte Hirten-
sippschaft mit lautem Halloh ihre Zustimmung ertheilt.
Nach Erbens Beschreibung wird im Budweiser Kreis die Wahl des Hirtenkönigs
zu Pferde aufgeführt. Der neue König reitet mit neun Gefährten auf den Damm zum
Teiche; hier steigen sie ab, der König stellt sich auf die Schleuse, und einer von den
Gefährten schlägt ihm die Krone vom Haupte ab, so daß sie ins Wasser fällt. Der König
springt der Krone nach, taucht einigemal unter, wodurch das Wasser, welches bisher
„räudig", das heißt schädlich war, geweiht wird, die übrigen werfen dem König ihre
Holzsäbel nach, welche der König aufgreift und auf einen nicht leicht zugänglichen Ort
wirft. Daun erfaßt der König seine Krone, setzt sich dieselbe auf den Kopf, und während
jeder nach seinem Säbel sucht, entkommt er aus dem Wasser, besteigt eiligst sein Pferd und
rennt einem bestimmten Ziele zu. Wenn es ihm gelingt, das Ziel zu erreichen, bevor ihn
die übrigen einholen, so fällt ihm ein bestimmter Preis zu. Dann zieht er trockene Kleider
an und die Gefährten führen ihn mit Musik im Dorfe herum. Hierauf folgt die oben
erwähnte „Ausrufung".
An demselben Tage nachmittags gehen neun Mädchen von Haus zu Haus
und führen die Königin (krälovna), welche mit einem Blumenkranze und farbigen Bändern
geschmückt ist, mit sich, wobei sie singen:
Aase kralovna bosa ekoäl, Barfuß geht unsre Königin um,
sve k!16 noTiek)' v rose droäi;
prosirne, tzaäaine Näßt ihre Füßlein im Thau:
Um eine Gabe bitten wir
Für unsre arme Königsfrau.
Die Königin wird gewöhnlich durch das kleinste Mädchen dargestellt, welches die
übrigen unter sich so verstecken, daß man es nicht sieht. Und wenn dann nach beendigtem
Liede die Hauswirthin fragt: „Und wo habt ihr die Königin?", treten die Mädchen
auseinander, die Königin tritt hervor und dreht sich einigemal im Kreise um. Mitunter
wird die Königin auch von einem König, nämlich einem als König angekleideten
Mädchen, mit einer goldenen Papierkrone und einem Holzsübel, begleitet.
Das Frohnleichnamsfest (slavnost Lo/Üko 1'öla) hat eine blos kirchliche
Bedeutung. Eine feierliche Procession, an welcher sich die Behörden, die Schuljugend und
die Zünfte mit ihren Fahnen betheiligen, zieht zu vier zu diesem Zweck nach den vier
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch