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(B'fchaai, Ober-Egerland), durch die „Hochzattsbrocku" (Saazerland), das „Mitgebringe"
(Elbe-Niederland, Aussig), das „Hickeln-Schicken" mit Hochzeitsbissen (Reichenberg,
Jsergebiet).
Nach dem Hochzeitsmahl beschließt der Tanz, den meist der Brautführer mit der
Braut eröffnet, den ersten Hochzeitstag. Zu den beliebtesten Tänzen gehörte hierbei im
Ober-Egerlande der „Trischlag", der abwechselnd im Zweiviertel- und Dreivierteltact
getanzt wurde; im Saazer Flachlande, an der Mitteleger, im Dnppaner und Erzgebirge
tanzte man den „Schleifer" (Walzer) und „Hopser" (Galopp, auch Ausdruck für „Tanz"
überhaupt), im Reichenberger Gau den „Hoppich" (Walzer) bei solchen Gelegenheiten am
liebsten. Im Riesengebirge war der Ehrentanz, den der Angesehenste der Gesellschaft über
Aufforderung des Plumpatschs mit der Braut einst zu tanzen pflegte, ein „Buschkaraute"
genannter Mennettanz. Im übrigen wurde ebenfalls das Walzen, „Deutschtanzen" bevor-
zugt. Zuweilen schon am Vortag, in der Regel aber am ersten oder zweiten Hochzeitstag
wird die Brautausstattung in das neue Eheheim geschafft. In Alt-Reichenberg geschah
dieses dort sogenannte „Brautbetten" meist schon vor der Hochzeit, indem die Freundinnen
der Braut in der abendlichen Dämmerung in geschlossenem Zuge Geschirr, Wäsche und die
blüthweißen Brautbetten ins Bräutigamhaus übertrugen und dabei, sollte die Ehe glücklich
werden, ja uichts zur Erde fallen lassen durften. Ein ähnlicher Brauch herrschte auch in
der Stadt Plan (Egerlandgebiet).
Zu einer richtigen Bauernhochzeit im Eger- und Elbegebiete gehörte stets der
Kammerwagen (Plunnawogn) oder das „Brautfuder" (Niederelbe). Seine Hauptstücke
bestanden seit langem in dem mehr minder bunt ausgestatteten Bettgeräth, der geschmückten
Wiege, dem Backkübel und Spinnrocken, an dem gewöhnlich eine „Tnatn"-Fran oder
Kranzeljungser während der Fahrt spann, dazu die großen mit Blumen u. s. w. bunt-
bemalten festen und oft kunstvoll beschlagenen Wäschetruhen und Schränke (auch ein
Korb mit Seife und Schuhwerk durfte nicht fehlen) und zu oberst als Wichtigstes: die
zahlreichen strotzenden, festlich mit Schleifen und Seidenbändern geschmückten Braut-
betten, der Stolz jeder echten Bäuerin! Die Spitze und Krone bildet in der Regel das
sogenannte „Tnatkissen" oder „Zöllerl", mit Amuletten behängt und mit Bändern
geschmückt. Die Tauf- und Firmpathinnen der Braut „die Tuatn" sitzen obenauf und
werfen Backwerk und Kleingeld aus. Ein stattliches Ochsengespann, bei reicheren Hoch-
zeiten stets ein Viergespann, mit Klingrollen und Bändern reich geschmückt, zieht im
Ober-Egerlande den Plunderwagen unter Musikklängen und Jauchzen der Burschen ins
neue Haus. Im unteren Eger- und Elbegebiete siud schöngeschirrte stattliche Rosse
vorgespannt und der Brautführer oder die „Salzmäste" rühren während der Fahrt
fröhlich das große Butterfaß. Auch dem Kammerwagen wird durch Bänder- und
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch